Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478986
CAP. 
MARINO 
FALIERO. 
15 
Padua's oder in anderen italienischen und in deutschen Samm- 
lungeniinden wir Bilder der im vierzehnten Jahrhundert mit den 
wichtigsten Aufträgen für Venedig betrauten Meister vor, wie des 
Paolo, des Guariento, Lorenzo, Stefano und Semitecolo. Es 
sind lauter Erzeugnisse des ärmlichen und unfreien Machwerkes, 
wie es in Florenz bereits beim Auftreten Cimabuds am Beginn 
des vierzehnten Jahrhunderts, in Verona siebzig Jahre später 
durch die Thätigkeit der hochbegabten Giottisten Avanzi und 
Altichiero überholt wurde, und so unglaublich es scheint, dass 
man bei Malern dieses Sehlages Befähigung zu Bildniss- und 
Geschichtsgemälden hat voraussetzen können, lesen wir nichts- 
destoweniger von der Bewunderung, die man namentlich den im 
Saale des Grossen Rathes angebrachten zeitgenössischen Dogen- 
Porträts zollte. 
Es gibt kaum eine rührendere und eingehender behandelte 
Geschichte in den Jahrbüchern Venedigs, als die von Marine 
Faliero, Welcher im Alter von achtzig Jahren durch Henkershand 
iiel, weil er nach einer Regierung von nur zehn Monaten durch 
grausames Intriguenspiel zu dem Unterfangen gedrängt ward, die 
unumschränkte Gewalt zu usurpieren. Sein Bildniss war, wie 
die Annalen des venezianischen Senates berichten, ordnungsmassig 
an dem oberen Friesgetäfel im grossen Rathssaale eingefügt. 
Da brachten i. J. 1366 Pietro Zani und Andrea Gradenigo den 
Antrag ein, das Haupt auch des gemalten Dogen vom Rumpfe 
zu trennen und an die Stelle die Inschrift zu setzen, dass er 
nwegen Verraths enthauptet worden sei  Zehn Jahre waren da- 
mals seit der Hinrichtung Falierds vertlossen; dem Hohen Rath 
deuchte diese Maassregel zu streng, dagegen ging fast mit Ein- 
stimmigkeit der Beschluss durch, das Bildniss ganz und gar ab- 
zunehmen und die blau übermalte leere Wandiiäche mit den Wor- 
ten zu bezeichnen: „Dies war die Stelle des lllarino Faliero, der 
wegen Verraths enthauptet worden istß" Welchen Werth man 
 
1' s. das Rathsprotokoll vom 16. Deeember 1366 bei Lorenzi a. a. 0. S. 39. 
Zani und Gradenigo hatten die Inschrift vorgeschlagen „fuit decapitatus ob crimine
        

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