Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482454
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TlZlAN'S STELLUNG UM 1535. 
seine 
Freude 
wirkt 
ebenso 
ansteckend 
wie 
sein 
Schmerz. 
S0 
lange die Natur lebt wird auch Tizian leben. Er war der Spiegel 
der Natur, nur dass der Spiegel lediglich zurüekwirft, während 
Tizian sehaftßßbl Und Armenini sehliesst: „in der Nachahmung 
der Natur bleibt Tizian unübertroffen. " "ä 
Die wunderbare Aneignung dieser N aturwahrheit, welche sich 
in Tizian's späteren Gemälden kundgibt, ward aber nicht ohne 
grossen Aufwand von Zeit und Mühe und sicher nicht ohne Schwan- 
kungen erreicht. Es ist deshalb von nöthen, hier einen Augen- 
blick rückwärts zu schauen und sich die Stellung des Meisters, 
wie die seiner Kunstgenossen in Italien zu vergegenwärtigen. 
Man hat frühzeitig die Behauptung aufgestellt und fort und 
fort wiederholt, Tizian's Umgebung sei unbekannt mit Correggio 
gewesen, woraus sich folgern liesse, Tizian selbst habe das Wehen 
dieses Geistes nicht empfunden. Wir haben jedoch Grund, das 
in Zweifel zu ziehen. Fest steht: Tizian schuf in einer Periode 
seiner Thätigkeit Bilder, die an Correggio erinnern. Wir weisen 
nur auf den blendenden Glanz und das spielende Motiv des Christ- 
kindes der "Jungfrau zu Aneona" hin. Die ganze Beschaffenheit 
der Pigmente Correggids begegnet uns ferner auf der Madonna 
von S. Nieeolö de' Frari im Vatikan, wo die Jungfrau vom Himmel 
herabblickt mit all' der Anmuth und einem Anflug der entzücken- 
den Affektion, die man bei Allegri findet. Selbst die Farbe er- 
innert dureh ihren Silbersehein und die Zartheit der Glättung an 
ihn. In beiden Künstlern scheinen dieselben Saiten zu vibrieren; 
bei Correggio mit einer sensitiven, beinahe weiblichen Zartheit, 
bei Tizian mit männlieherer Kraft. Während Tizian mehr Meister 
seiner selbst bleibt und sich fast immer vollkommen in den Grenzen 
des Natürlichen hält, lässt Gorreggio sich darüber hinaus heben 
und verfällt in jene Ueberschwänglichkeit und Verzückung, welche 
der Italiener mit dem uniibersetzbaren Worte nsmorfia" bezeichnet. 
Ferner behandelt Oorreggio alle Oberflächen  Fleisch, Wolken, 
Kleidung  gleichmässig, Tizian dagegen geht in der malerischen 
pittura. 
della 
6' Boschini, Le rieche min., 1664, Vorwort. 
65 G.B.Armenini da Faenza: De' vcri precetti 
Vßllodig" 1678, S. 113, Pisa 1828 (ed.Tic0zzi). 
Ravenna 
1531,
        

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