Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482347
HERZOG UND HERZOGIN VON URBINO. 
auf Veronica Gambara zurückzuführen war, die Freundin der Este 
und KarPs des V. und die Grönnerin Correggids. In dem Briefe, 
den Ariost seinen Sonetten an Veronica beifügte und in den S0- 
netten selbst trifft er wiederholt den Nagel auf den Kopf, wenn 
er von dem Bildniss des Herzogs spricht und bei „der stolzen 
Grösse der Stirn, dem geistvollen Blick, der thatbereiten Geberde 
des Armes" verweilt. „Jede Runzel, jedes Haar ist verwirklicht" 
 sagt er sehr wahr  „und die Farben hauchen nicht nur dem 
Fleische Leben ein, sondern lassen die Männlichkeit der darin 
wohnenden Seele hervorleuchten. Selbst die polierte Rüstung 
nimmt etwas von der Rötbe des dahinter befindlichen Sammts an 
und magisch sind die Reflexe des Helms und der Feder auf der 
Oberfläche der Brustplatte. Auch die Abzeichen seiner Würde 
sind täuschend wahr; wer kann sagen, dass die Kommandostäbe, 
die Florenz, Venedig und Rom dem Herzog geliehen, nicht wirk- 
lich von Silber sind?" Ebenso glücklich ist die Beschreibung 
Eleonora's. Er nennt sie eine keusche liebliche Erscheinung mit 
Anmuth auf der Stirn und Hoheit im Blickß" Aber wie diese 
beiden fürstlichen Menschen da vor uns stehen auf der Sonnen- 
höhe des Glücks, sind sie wieder redende Beispiele für den jähen 
Wechsel des Schicksals. Wenige Monate nach Abfassung jenes 
panegyrischen Briefes lag Francesco Maria auf der Todtenbahre 
und seine Wittwe suchte in {instrem Gram nach seinem Mörder. 
Die Spaltungen der Parteien waren so subtil und die Machthaber 
so gewissenlos in jenen Tagen, dass es nicht zu verwundern ist, 
wenn man sich des Herzogs durch die geheime und sichere Me- 
thode der Vergiftung entledigte. Mord war ein gebräuchliches 
Hilfsmittel der Könige; weshalb sollten es Andere verschmahen! 
Auch das Opfer der hier in Rede stehenden Schandthat war, wie 
wir wissen, seiner Zeit vor'der gewaltsamen Lösung persönlicher 
Schwierigkeiten nicht zurückgeschreckt. Am 18. December 1536 
schrieb Aretin mit böser Ahnung an Alessandro de' Medici: „Gott 
bewahre Sie vor dem Stahl und dem Gifte des Verrathesiw Drei 
 
 
30 Der bezügliche Brief vom 7. November 1537 (Lettere di M. P. Aretino I. 
S. 179) ist wichtig zur Feststellung der Entstehungszeit des Bildes. 
3' Aretin an Alessandro de' Medici in den Lettere di M. P. Aretino I. S. 64.
        

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