Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482335
521.9 
TIZIAN'S STELLUNG 
UM 
1535. 
CAP. XI. 
 stcrblich gemacht als die Prinzessin ihm sass, ohne zu wissen, 
dass sie dadurch zum Gegenstande der Huldigung aller Zeiten 
wurde. Sie sieht stattlich, aber gedrückt aus. Die mit Ringen 
bedeckten zarten Hände ruhen, eine auf der Armlehne des Stuhles. 
Auf dem neben ihr befindlichen, mit grüner Decke überhangenen 
Tische sieht man ihren Schoosshund und eine ciselierte llletall- 
glocke; der Reflex der Nachmittagssonne wirft mildes Licht durch 
das offene Fenster. Der Himmel ist rein und mit leichten Wölk- 
chen gefleckt, auf der Ferne einer grünen Landschaft liegt feiner 
Dunst. Um den Unterschied zwischen der zarten gebleichten 
Haut der an Luxus und Bequemlichkeit gewohnten Dame und 
dem gegerbten Gesicht des wetterfesten Berufssoldaten recht augen- 
fallig zu machen, hat Tizian die Vortragsweise modiliciert: hier 
ist sie eingehend und sauber, dort sicher und breit, hier das far- 
bige elastische Fleisch auf lichten warmen Grund, dort die leder- 
a7rtige Masse auf dunkle Folie gesetzt. Das Kleid der Herzogin 
ist tief ausgeschnitten, um Hals und Busen zu zeigen, umsäumt 
von gekrauster Fraise, welche gleichzeitig mit der schönen Haut, 
dem dunklen warmen Stoff und den mit Gelb geschlitzten Puff- 
ärmeln contrastiert. Den Hals umschliesst eine Kette mit Juwel 
daran, die Taille ein Gürtel mit Quasten. Die ganze Behandlung 
rühmt den Takt des Meisters, der zum Thcil die Spuren tilgt, 
welche die Zeit seinem Originale aufgepragt hatte. Denn Eleonora 
hatte damals. die Dreissig überschritten und tragt das Matronen- 
häubchen. Ihr feines Fleisch hat die Rosen der Jugend verloren, 
das Unterkinn zeigt sich bereits. Aber durch die Zartheit des 
malerischen Vortrags und die Weichheit der Modellierung wird die 
Frische ersetzt; das Blut pulsiert ungeschwacht in den Wangen 
 und die Augen erglänzcn in Lebenskraft. 29 
Das Entzücken der vornehmen Kreise Venedigs über diese 
vortreflichen Werke. fand seinen Wiederhall in Aretin's Sonetten. 
Und diesmal klang nicht das Gold der Bestechung, sondern auf- 
richtige Bewunderung aus seiner Leier, wenn auch der Anlass 
29 Florenz, Ufüzien N0. 599, lebensgross. Auch dieses Bild wurde von Puccini 
im grossherzoglichen Palaste aufgefunden, drei Jahre nach Entdeckung des Seiten- 
stückes (s. Anm. 27); vgl. Vasari XIII. 32. Es ist photographiert von Alinari.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.