Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482303
CAP. XI. 
HERZOG ERCOLE 
337 
Die Verbindungen mit dem Hofe von Ferrara waren durch 
den Tod Alfonso's nicht völlig gelöst worden. Nach der Thron- 
besteigung Ercole's des II. setzte Tebaldi seine Besuche in der 
Werkstatt des Lieblings-Meisters seines früheren Herrn fort. Hatte 
Ercole auch nicht dieselbe hohe Meinung von Tizian wie sein 
Vater  wie er sich denn in der Folge durch Umstände, für die 
wir keine ausreichende Erklärung besitzen, veranlasst sah, es mit 
Pordenone zu halten  so hegte er doch viel zu viel Achtung für 
das Urtheil Alfensds, um einen so grossen Künstler gänzlich bei 
Seite zu schieben. In früheren Tagen hatte er Tizian selbst ge- 
sessen, auch wusste er recht gut, dass ein Porträt seines Vaters 
noch unvollendet auf Tizian's Staffelei stand. Eine seiner ersten 
Verfügungen bestand darin, dass er 50 Dukaten nach Venedig 
sandte als eindringliche Mahnung an den Maler, ihm baldigst das 
vollendete Bild zu liefern, welches als Ersatz des seiner Zeit durch 
Covos, List nach Spanien entführten Originals dienen sollte." Es 
ist charakteristisch sowohl für den Werth, welchen Ercole auf 
seine Verbindung mit dem Hofe Franz des I. legte, wie für Tizian's 
Wunsch, Alfonsotreu wiederzugeben, dass „ der französische Orden" 
an Tebaldi gesandt wurde, mit der Weisung an Tizian, ihn auf 
dem für den Herzog bestimmten Porträt anzubringen. Am 15. De- 
cember 1536 berichtet Tebaldi, das Bild sei fertig und so ähnlich 
"wie ein Wasser dem andern  und ausserdem sehr schon; er wun- 
dere sich nur, dass Seine Hoheit so wenig Begierde gezeigt, es 
zu sehen. Ercole hatte es aber nicht so eilig damit. Er liess 
die Leinwand in Tebaldfs Behausung und wartete bis er selbst 
im Januar nach Venedig kam, um sich ein unabhängiges Urtheil 
darüber zu bilden. Alsdann sprach er aber rückhaltlos seine Be- 
Wundrung aus und zahlte so reichlich, dass Tizian Aretin gestand, 
er sei nie königlicher belohnt worden. L") Traurig genug, dass 
wir nicht nur den Verlust dieses Meisterwerkes zu verzeichnen 
haben, sondern auch den von Ercole's eigenem Porträt, das von 
der treuen Hand eines Girolamo da Carpi copiert worden ist?" 
P 2' Diese Zahlung erfolgte am 20. Juli 1535, sßlampori, Tiziano e gli Estcnsi 
S. 24.  25 Er erhielt 200 Saudi, s. Carnpori a. a. 0. und den Brief Aretixfs an Buonleo 
vom 6. Januar l537I3S in den Irettere di M. P. Aretino I. S. S.  2" Vasari XI. 236. 
'Cr0we, Tizian I. 22
        

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