Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482096
1212 
KARL DER V. 
UND 
CAp 
Bilde das Porträt der Isabella von Este. Es ist kein rechter 
Grund ersichtlich, Weshalb die Markgräün dem Maler, der doch 
häufig ein Gast in Mantua war, nicht hätte sitzen sollen; sie 
wünschte aber augenscheinlich in bräutlicher Jugend, nicht als 
ältere Frau von ihm dargestellt zu werden und entlieh deshalb 
eins ihrer früheren Porträts, das sie zur Vorlage an Tizian sandte. 
Auf diese Weise wollte die kluge Frau dem Schicksal entgehen, 
von der Hand des grössten Meisters der Zeit als Matrone mit 
welkendem Antlitz dargestellt zu werden. Ein erfahrenes Auge 
(lürfte trotzdem erkennen, dass das Gemälde im Belvedere zu 
Wien, das Isabella als junges Mädchen darstellt, in der Zeit aus- 
geführt worden ist, von der wir jetzt reden. Ueber den wirk- 
lichen Sachverhalt sind wir überdies hinlänglich unterrichtet. Die 
Archive haben das weibliche Geheimniss schlecht bewahrt. Hierher 
gehört folgender Brief Isabella's an Benedetto Agnello in Venedig: 
„Die Personen, welche unser Bild geliehen haben, das Tizian 
zu dem Zwecke erhielt, eins darnach zu malen, bitten sehr drin- 
gend um Rückgabe desselben. Wir wünschen daher, dass Ihr 
es zurücknehmt und durch diskrete Hand in einer Verpackung, 
die es gegen Beschädigung schützt, an den Ort seiner Bestim- 
mung sendet. 
,.,Mantua, den 6. März 1534945  
Wim Frische und Jugendlichkeit sind dem Porträt nicht abzuspre- 
Be"ede'e'chen, dagegen mangelt dem Fleische in hohem Grade die Modu- 
 lation. Isabella sitzt ein wenig nach links gewandt, den linken 
Arm auf die Lehne des Stuhles gelegt, die rechte Hand am Ueber- 
kleide, und blickt mit fast mannischer Schärfe ernst vor sich hin. 
Der hechelegante Anzug ist mit ausserordentlicher Geschicklich; 
keit behandelt, auch bemerkt man, dass die Fürstin nach der Sitte 
ihrer Zeit das Haar gebadet hat, um ihm den röthlichen Schimmer 
zu geben; der Kopf ist mit einem juwelengeschmiickten Turban 
bedeckt, eine Mode, wodurch sich damals die Lombarden von 
den Venezianer-n unterschieden. Das reiche Kleid mit stilvollen 
Ornamenten in Schwarz und Weiss, dunkelgrünen Schulterpuffen, 
L 
45 S. 
Wortlaut des Briefes im 
den 
Anhang N0. 
XLVIII.
        

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