Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478945
CAP. 
LEBEN. 
ÖFFENTLIOHES 
Theil an ihrer Ernennung. Auch der Patriarch von Aquileja 
ging in den späteren Zeiten der Republik aus der Mitte der 
Patrizier durch Wahl der Regierung hervor. Als es zuletzt der 
Inquisition gelang, sich einzunisten, wurde ihre Macht zum min- 
desten sehr beschränkt infolge der Bestallung des Patriarchen 
zum Präsidenten und zweier venezianischer Nobili als Beisitzende, 
ohne deren Gegenwart und Zulassung kein Urtheilsspruch in Kraft 
trat. Jahrhunderte lang war Venedig daher der Zuiluchtsort von 
Priestern oder Mönchen, die in andern Theilen Italiens von Kirchen- 
strafen bedroht wurden. In den Klöstern der Stadt herrschte 
eine Freiheit, welche in den Gonventen des festen Landes unbe- 
kannt war; die Sitten der Geistlichkeit standen bei der Obhut 
des weltlichen Magistrates nicht unter der strengen Ueberwachung, 
welche sie bei priesterlichem Regiment zu gewärtigen hatten. 
Ueber die Art und die Formen der Geselligkeit Venedigs am 
Ausgang des fünfzehnten Jahrhunderts erhalten wir keinen aus- 
drücklichen Aufschluss aus den Geschichtsquellen, allein man wird 
nicht irren, wenn man annimmt, dass die Sitten des Orients be- 
stimmenden Einfluss auf die Lebensweise der höheren Stände 
hatten. Die Absonderung der Frauen und Männer in den Kirchen, 
die lange Abgeschlossenheit unverheiratheter Mädchen in Klöstern 
oder in dem Gefängniss der väterlichen Paläste war die Vor- 
bereitung zu Heirathen, bei welchen der Gatte die Frau über- 
haupt erst erblickte, wenn sie in ihrem vollen Staat um die abend- 
liche Hochzeitstatel tanzte. Die Freuden der Häuslichkeit und 
die Annehmlichkeiten offenen Verkehrs mögen den venezianischen 
Familien wohl bekannt gewesen sein, wahrscheinlich jedoch wurden 
sie mehr in den ärmeren als den reicheren Klassen gepflegt. 
Strenge, jedem Aufwand steuernde Gesetze schrieben die Kleidung 
der verheiratheten Frauen vor, deren Gang durch die Anwendung 
hoher unbequemer Holzschuhe gehemmfward, und deren Züge 
selten sichtbar wurden, wenn nicht ihre weissen silberfarbenen 
Schleier _in der Dämmerung der Kirchen oder bei Sonnenuntergang 
im Halbdunkel der Strassen sich verstohlen lüfteten. Die aus 
Männern und Frauen gemischte Gesellschaft, die an Staatsfesten 
oder selten vorkommenden Maskenscherzen und Ballen geduldet
        

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