Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1482039
314i! 
TIZIAN 
UND 
KARL 
DER V. 
CAP. 
Florenz, 
Galerie 
Pitti. 
braunen Rock mit goldenen Knöpfen windet; in seiner rechten 
Hand schwingt er den Kommandostab. Als hätte die brennende 
Sonne des Donauthales sein Gesicht gebräunt, scheint die Haut in 
tropischer Hitze zu glühen, während sie im Uebrigen so glatt 
und geschmeidig ist wie die der Bella Gioconda des Lionardo. 
Tizian's Gewandheit, die technischen Mittel je nach Art des zu 
behandelnden Gegenstandes anzuwenden, tritt in diesem (jetzt in 
der- Galerie Pitti befindlichen) Bilde vielleicht am schlagendsten 
hervor. Man bemerkt keinerlei zarte Modulation in dem Gesichte, 
dessen ganzer Charakter auf dein Contraste zwischen polierter 
Haut, scharfgeschnittenen Zügen und Augen von ausgeprägter 
Verschlagenheit beruht. Der ganze Kopf besitzt eine grossartige 
Einheit, der Tizian durch breite und allgemeine Ausführung der 
Lineamente, die ganz auf die geringeren Einzelheiten verzichtet, 
Leben und Schwung gegeben hat. Dieser Effekt ist vornehmlich 
durch weiche Ausrundung und durch den Ton erzielt, dessen Schmelz 
und Wärme nicht genug bewundert werden kann. Erst wenn man 
das Gewebe der Leinwand genau betrachtet, sieht man, mit wel- 
cher Kunst die Farbe aufgetragen und wie geschickt die Farben- 
masse durch einen Pinselstrich gebrochen oder durch eine Lasur 
abgestimmt ist. Der Erfolg ist ein geheimnissvoller giorgionesker 
Glanzßö 
Ippolito begnügte sich nicht mit diesem einen militärischen 
Porträt, er wünschte sich auch noch in der vollen Rüstung seiner 
Zeit zu sehen. Vasari erzählt, er habe dieses zweite tizianische 
Porträt im Palaste des Grossherzogs vlon Toscana angetrotfen, wo 
bis zum Beginne des neunzehnten Jahrhunderts so viele Schätze 
des Meisters verborgen gelegen haben? 
 
36 Florenz, Pitti N0. 201, Halbflgur, Leinwand. 
97 Puccini, welcher die Bildnisse des herzoglichen Paares von Ürbino aus 
Schmutz und Staub rettete und in die Uffizien brachte, scheint dasjenige des Kar- 
dinals Ippolito im Harnisch nicht gefunden zu haben (vgl. später und Vasari XIII, 
39). 1m Louvre betindet sich unter N0. 478 das Bildniss Ippolitds in rothem 
ungarischen Rock, auf Holz, h. 0,64 M., br. 0,55 M. Ehemals als Original Tizian's 
katalogisiert, ist es jetzt als Copie bezeichnet und gehört vielleicht dem Battista 
Frßnßß an (s. Vasari XI. 320). Wir bemerken übrigens, dass Tizian's Porträt des 
Ippolito de' Medici auch von Rubens eopiert worden ist (s. Sainsburfs Papers S. 237).
        

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