Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478937
10 GESCHICHTLICHE EINLEITUNG. CAP. I. 
Jahre feierten der Doge und Geistlichkeit das Ereigniss durch 
einen prächtigen Aufzug. 
Aber diesem Hang, übernatürliche Vermittelungen vorzugehen- 
und gelten zu lassen, stand andrerseits eine höchst vernünftige 
Behandlung der Geistlichen, eine beständige Einschränkung der 
päpstlichen Gewalt und eine allgemeine Unterordnung der Priester 
unter das Laienelement gegenüber. Dies ist um so beach- 
tenswerther, weil das öffentliche .Leben der Dogen durchweg 
in hohem Grade mit religiösen Gebräuchen untermischt war. Der 
Adel behauptete und das Volk glaubte es wirklich, dass alle 
Abzeichen der herzoglichen Macht von Papst Alexander III. dem 
Oberhaupte des venezianischen Staates übertragen worden seien; 
und die Darstellung dieser Investitur wurde, vereint mit dem er- 
dichteten Berichte eines Seesieges der Venezianer über den Kaiser 
Barbarossa, die erste Aufgabe monumentaler Malerei bei Aus- 
schmückung des grossen Rathssaales im Dogenpalaste. 
Zum gegenseitigen Mistrauen zwischen dem päpstlichen Hofe 
und den Venezianern war Grund genug vorhanden. Noch bis um 
die Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts waren die Venezianer 
Sklavenhändler und verhandelten ihre Gefangenen in den Städten 
der Lombardei. In Rom dagegen gab es eine Behörde zur Los- 
kaufung von Sklaven, und jener Menschenhandel musste den 
Papsten daher tief verhasst sein. Immerhin war dies gering- 
fügig, verglichen mit der Art, in welcher Venedig mit Prälaten 
und Priestern umsprang. Die Stadt war so eifersüchtig auf die 
päpstliche Politik, dass sie vorsorglich alle Geistlichen aus ihren 
Rathscollegien ausschloss. Nicht einmal der eingeborene Edel- 
mann erhielt, wenn er geistlich war, den Zutritt zu irgend einem 
Amte der Republik. Der Primas oder Patriarch von Venedig 
wurde vom Staate aus der Mitte des Patriziates erwählt? Die 
durch ihre Gemeindea erwahlten Priester waren einem aus Laien 
bestehenden Gerichtshofe unterworfen, und der Primat hatte keinen 
2 (Francesco Sansovino) Delle cose notabili della cittä di Venetia, Venedig 
1592, S. 56. 
3 Sansoviuo: Venetia. descritta ed. Martinioni, Venedig 1663, S. 290.
        

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