Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481817
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TlZlAN 
EVND ARETIN. 
CAP. 
Florenz, erzählt daher in gewisser Weise selbst die Geschichte seiner Her- 
Gal" mm Stellung. Man hatte offenbar ein rasch hingeworfenes Eifektsttick 
von Tizian verlangt. Auf der Holztafel der Galerie Pitti stellt 
er das Brustbild einer nackten jungen Frau von etwa fünfund- 
zwanzig Jahren dar, deren vollreife Formen und glänzendes Fleisch. 
zum Theil durch goldene Haarwellen verdeckt werden, die in 
verschwenderischer Fülle über die Schultern herabiliessen; ein 
Paar schöngerundeter Arme und zarte schlanke Finger drücken 
die Locken an Brust und Taille, wobei Busen und Hals frei 
bleiben. Das aufwärts gerichtete Antlitz, die empor-gehobenen 
Augen und die rinnenden Thränen reden von einer Reue, welcher 
der üppige Leib widerspricht. Offenbar wollte Tizian nur ein 
schönes Weib malen und bot seine ganze Kunst auf, ihre Gestalt 
recht in den Vordergrund zu bringen. Ihre Haut glänzt überall 
zwischen den metallischen Reilexen des goldenen Haares hervor, 
Sie hebt sich schimmernd von einem dunklen Hügel zur Rechten 
ab, dessen brauner Hintergrund mit geheimnissvollem Grau ge- 
brochen ist und ebenso leuchtend von dem tiefen Blau des ita- 
lienischen Himmels lossetzt, an welchem perlfarbeneWölkchen 
schiffen und der gegen den Horizont von einer in Nebel ver- 
schwindenden Bergkette begrenzt wird. Es ist dasselbe Modell 
wie die Venus mit der Muschel, aber Tizian malte es diesmal aus 
dem Gedächtniss, nicht nach dem Leben, ein liebliches, etwas 
schematisch behandeltes Wesen, bezaubernd, aber im Einzelnen 
nicht streng naturtreu; alles in Allem gleichwohl eine Schöpfung, 
wie sie nur Tizian hervorbringen konnte. "g  
Zu allen Zeiten fand dies Werk Verehrer und erfuhr zahl- 
lose Wiederholungen. Aber keine der heute noch erhaltenen 
rührt von Tizian selbst her, wenige auch nur von seinen un- 
Rom,' mittelbaren Schülern. Die beste darunter, im Palazzo Doria, ist 
Gal" DomSchularbeit, ein zweites Exemplar derselben Sammlung und eins 
 
w" Florenz, Galerie mm N0. 67, Holz, h. 0,35 M., br. 0,68 M., auf der Vase 
links bezeichnet "TITIANVS", Halbfigur, ein wenig nach rechts gewandt. Zu Va- 
sarfs Zeit (Vasari XIII. 32) befand es sich in der Sammlung der Herzöge von 
Urbino. Es ist durch Alter und Firnisse gebräunt. welche kleine Retouchen, 11.0.. 
an der Stirn, verdecken.
        

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