Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478914
iCiEsCHlCHTLlCHE 
EINLEITUNG? 
iQAP. 
dem Festlande gewonnen, als Padua und Verona eingenommen 
waren und das friaulische Gebirgsland die Lehnspiiicht der Patri- 
archen abgeschüttelt hatte, da trat eine Veränderung ein. Nun 
waren es nicht länger die Griechen allein oder ihre Schüler, die 
die Malerei betrieben; andere Fremde als diejenigen, welche die 
byzantinische Kunst-Ueberlieierung bewahrten,  Fremde aus 
Italien und von jenseits der Alpen fanden den Weg nach Venedig, 
und unter ihrem Einfluss nahnfdie Malerei einen neuen mach- 
tigen Aufschwung. 
Die Wandlung begann in der ersten Hälfte des fünfzehnten 
Jahrhunderts, und in weniger als siebzig Jahren nahmen die 
venezianischen Künstler eine ebenso hohe und ehrenvolle Stelle 
ein als die toskanischen. Eben damals aber neigte sich augen- 
scheinlich die Macht Venedigs ihrem Ende zu. Der Seeweg nach 
_ Ostindien war aufgefunden worden und Vasco de Gama hatte das 
Monopol des Gewürzhandels der Republik vernichtetß Fünfzig 
Jahre nachher erreichte die Malerei unter Tizian, Tintoretto und 
Paolo Veronese ihren Höhepunkt. Sie war mit fast tropischer 
Kraft und Schnelligkeit erblüht und in üppigen Fruchtstand ge- 
treten; aber binnen zweihundert Jahren hatte sie ausgelebt, wäh- 
rend die ältere toskanische Kunst das doppelte Alter erreichte. 
Religiöse Gebräuche und örtliche Sitten wirken naturgemäss 
bestimmend auf Entwicklung des malerischen Geschmacks ein. 
Das hat sich nirgends so sehr bewährt wie in Venedig. Die 
Stadt des heiligen Markus war fromm, fast bis zum Abergläubi- 
schen. Man liebte das Ceremoniengepränge und war stolz auf 
 
1 Im "Economista." v. J. 1874 heisst es gelegentlich einer Betrachtung der 
grossen Handeiskrisen Italiens: die Entdeckung Amerikas und die Auffindung des 
Seeweges nach Indien waren bekanntlich die beiden Ursachen, dass Venedig seine 
so lange behauptete Seehandels-Supreniatie verlor. Zuvor waren die venezianischen 
Kaufleute die Spediteure oder Vermittler der Fracht des gesammten östlichen Han- 
dels; nach diesen grossen Entdeckungen ging ihnen dieses Privileg allmälig verloren. 
Seit Eröffnung des Suez-Kanales beginnt jedoch die Bedeutung Venedigs wieder zu 
steigen- Während der Jahre 1863-67 führte die Stadt indische WVaaren im Ge- 
sammtwerthe von einer Million Lire ein; 1873 betrug der indische Import bereits 
fünfnndsiebzig Millionen Lire! 
        

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