Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481731
280 TIZIAN UND ARETIN. 
 
OAP 
Kind in einem Mousselintuch, dieses aber blickt halb belustigt, 
halb iiirchtsam nach dem Kaninchen, mit der einen Hand lasst 
es nach dem Gesicht Katharinas, wie um sich eines Schutzes zu 
versichern, mit der anderen macht es eine Geberde der Bangig- 
keit. Im Hintergrunde neben einer Hütte sieht man den heiligen 
Joseph, ein schwarzes Lamm liebkosend, das sich von der unfern 
weidenden Heerde abgesondert hat. Im Vordergrunde wachsen 
blühende Gräser und Kürbisse." 
Hatte Palma seinen heiligen Conversationen den Reiz des 
Familienbildes verliehen, so gibt uns Tizian, in diesem Geiste 
weiterbildend, noch feiner bewegtes Seelenleben und noch moder- 
nere Empfindung. Er weiss die heiligen Persönlichkeiten dem Be- 
schauer vertrauter zu machen, indem er sie ins rein Menschliche 
herabgelassen darstellt, dergestalt, dass sie die Sphäre, in der 
wir sie nun erblicken, zugleich adeln. Die Naturwahrheit ist hier 
in so eigenartiger Erhebung wiedergegeben, Licht, Farbenton und 
Beiwerk verbinden sich zu so zauberischer Atmosphäre, dass 
die Stätte für Erscheinungen von strengerer Hoheit und idealer 
Formsprache bereitet scheint; und gleichzeitig herrscht bei allem 
Schmelz und allem Zartsinn die wunderbarste Verbindung von 
Kraft und Weichheit, Farbenfülle und Transparenz glatt schmel- 
zender und körniger Flächenbehandlung. 
Bei der Betrachtung unseres Bildes gewinnen wir die Ueber- 
zeugung: hier liegt Erlebtes vor; die blosse Imagination vermag 
nicht in die stille Tiefe der Empiindungen zu tauchen, die uns 
enthüllt sind; hier klingt Echo wieder aus dem Innersten des 
Mannesherzens, welchem die Seligkeit der Vaterschaft aufgegangen 
ist, der eine junge Mutter und ihren Säugling beobachtet und 
diesem Anschauen die entzückenden Züge entlehnt hat, die sich 
selten einem anderen Auge als dem des Vaters offenbaren. Wir 
wissen, dass Tizian verheirathet war. Donna Cecilia hatte ihm, 
als sie 1530 starb, mehrere Kinder geschenkt; wir können an- 
breit 0,84 M., bezeichnet 
ist es von Filhol und in 
44 Paris, Louvre N0. 459, Leinwand, hoch 0,70 M, 
„Ticianus F." Es gehörte Ludwig dem XIV. Gestochen 
Landon's Werk, photographiert von Braun in Dornach.
        

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