Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481639
Q 
TIZIAN 
UND 
ARETIN. 
Tizian sagte einst zu den1 kaiserlichen Gesandten Vargas, 
welcher ihn einen Pinsel von der Dicke eines Birkenbesens ge- 
brauchen sah: er wolle in anderer Weise malen, als Rafael und 
Miehel Angele, denn er könne sich nicht damit zufrieden geben, 
blosser Nachahmer zu sein? Im Petrus Martyr hat er bewiesen, 
dass er die Kraft besass, von Miehel Angelds Stil so viel anzu- 
nehmen, als für ihn geeignet war, um mit dem seinigen ver- 
schmolzen zu werden  darin liegt vielleicht eine der grössten 
seiner künstlerischen Thaten. 
Noch heute befindet sich das ergreifende Bild vom Tode 
Petrus des Mönehes in der Rosenkranz-Kapelle zu S. Giovanni e 
Paolo, aber was Wir jetzt dort sehen ist nicht mehr das Werk 
Tizian's. Nach manigfaehen Schicksalen und nachdem es eine 
Zeit lang als Beutestüek in Paris geprangt und dort von der 
Holztafel auf Leinwand übertragen worden, ist es am 16. August 
1867 durch eine Feuersbrunst zerstört worden. An seinem Platze 
hängt die Copie von Oardi da Cigoli. Zwar lebt das Original in 
zahllosen Nachbildungen und Stichen und mehr noch in der Er- 
innerung aller Derer, die Venedigfrüher besucht haben, der Ver- 
lust für die Kunst aber bleibt darum doch unersetzlich, denn keine 
Copie und kein Stich vermögen eine Vorstellung von dem geradezu 
wunderbaren Meisterwerke zu geben. Mehr als in irgend einem 
anderen Bilde hatte Tizian hier die menschliche Gestalt in ihrer 
höchsten Vollkommenheit dargestellt  aber im Gegensatz zu 
Michel Angelds gigantisehem Ideal innerhalb der zwanglos von der 
Natur erreichbaren Grenzen. Er entnahm von dessen Vorbildern 
die gewaltige Ausprägung der Körpertbrxnen und die leidenschaft- 
lich bewegte Handlung, er führt uns Abkömmlinge eines herkulil 
sehen Geschlechtes vor Augen, aber er vermeidet dabei jede lllaass- 
losigkeit, Dank seiner steten Fühlung mit der Natur. Jede irgend 
empfindbare Gewaltsamkeit wusste er durch das fein abgewogene 
Spiel des Lichtes und durch die Farbenskalen derart zu dämpfen, 
dass das Ganze durchaus wahr, durchaus wie Erlebniss erscheint. 
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3': Vicus, de studiorum "ratione S. 
kungen zum Anonymus Tizianellds. 
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