Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481619
270 TIZIAN UND ARETIN. 
durch eins in modernerem Stile zu ersetzen, an alle damals in 
Venedig lebenden Künstler die Aufforderung, Skizzen einzusenden, 
welche den Tod ihres Heiligen zum Gegenstande haben sollten." 
Bei dieser Gelegenheit nun trat Pordenone hervor. Palma, Gior- 
gione und Tizian hatten jeder auf seine Weise zur Heranbildung 
des hochbegabten jungen Friaulers beigetragen, der zu Anfang 
des Jahres 1528, als eben von jenem Bilde die Rede gewesen 
sein mag, im Auftrag einer anderen venezianischen Bruderschaft 
mit Ausschmückung der Kirche S. Rocco beschäftigt wurde. Zwar 
verehrte er Tizian hoch und sprach sich über dessen Werke stets 
in der anerkennendsten Weise aus, aber er brannte umsomehr vor 
Begierde, zu beweisen, dass auch er ein Bild malen könne, das 
der öiientlichen Bewunderung würdig sei. S0 geschah es denn, 
dass Tizian, Palma und Pordenone um das Bild für die Petrus- 
Bruderschaft warben. Die Skizzen wurden öifentlich ausgestellt und 
Tizian erhielt den Preisfls Palma erlebte den feineren Triumph 
seines N ebenbuhlers nicht. Er starb schon im Sommer des Jahres. 
Pordenone aber hegte seitdem tödtlichen Hass gegen den Mann, 
der ihn jetzt mit seiner Skizze geschlagen und den er ebenso- 
wenig in seinem fertigen Gemälde für S. Giovanni Elemosinario 
zu überbieten vermochte. 
Tizian brauchte Jahre zur Vollendung des Bildes und bekam 
obenein Streitigkeiten mit der Bruderschaft über den Preis. End- 
lieh lieferte er es am 27. April 1530 für die gleiche Summe ab, 
welche ihm für das grosse Altarbild der Madonna des Hauses Pesaro 
gezahlt worden war? Während der Zeit zwischen dem Entwurf 
der Skizze und der Vollendung des Gemäldes hatte Verschiedenes 
27 vgl. die Urkunde vom 27. April 1530 im Anhang unter N0. XIL, aussor- 
dem Sansovino, Ven. rlescr. S. 65. Paolo Pino, Dialogo di Pittura, Venedig 1548, 
fol. 32 v. sagt: „Voglio ehe lui venglui a1 duello della concorrentia e fare un" 
opera per uno, ma con patto, ehe sia ammessa 1a piü perfetta, come gizl volse far 
Giacopo Palma. con Titiano nc11' opera. de San Pietro martirc qui in Venogia. Et cosi 
difender, conservar ed aggrandir Thonor suo. I1 chT: lecito in cielo ed in terra." 
23 Scannelli, Mierocosmo della pittura S. 217 berichtet, er habe die Skizzen 
in Bologna. in Privatbesitz gesehen; Ridolfi, Marav. I. S. 217 sah den Concurrenz- 
Entwurf Palmafs im Palast Oontarini (S. Samuele) in Venedig. 
'19 s. die Zahlungsvermerke aus (Ion Jahren 1519-1526 im Anhang unter N0. I.
        

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