Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478886
CAP. 
EINFÜHRU NG DER KÜNSTE. 
xi 
Ein auffallender Zug in der Geschichte der venezianischen 
Malerei ist der Mangel an künstlerischer Ursprünglichkeit. Ver- 
gebens suchen wir nach historischen Gestalten wie Cimabue, Duccio, 
Giotto oderMasaccio, und wenn wir nach der Ursache forschen, 
ist die Antwort unbefriedigend. Möglich, dass die Venezianer der 
älteren Zeit, wie sie jede territoriale Ausdehnung mieden, auch 
das Feld ihrer Einzelunternehmungen bis zum kleinsten Kreise 
verengerten; dass sie in zu ernsten und beständigen Kampf mit 
feindlichen Elementen verwickelt waren, um mehr zu thun als 
die Grundfesten ihrer Stadt an den schlammigen Ufern der Lagu- 
nen zu sichern, oder auch, dass ihre ausschliesslich der Schiff- 
fahrt und dem Handel zugewandte Aufmerksamkeit die Vered- 
lung des Geschmacks in der Malerei ausschloss. Zweifellos haben 
die Venezianer die Kunst nur eingeführt, nicht aus sich heraus- 
gebildet. Die Pfeiler, auf welchen die St. Markuskirche ruht, 
waren mit Anstrengung von entfernten Orten hergeführt worden. 
die Pferde, Welche die Vorderseite des Gebäudes  etwas unge- 
rechtfertigt  schmücken, sind Kriegsbeute aus Oonstantinopel; der 
Löwe des Arsenals war vom Piräus entführt; die ersten Mosaiken 
in Venedig und Torcello wurden von byzantinischen Meistern ge- 
arbeitet. Der Grundzug ihrer Kunst war Jahrhunderte lang orien- 
talisch; und es erscheint ganz in der Ordnung, dass Seefahrer 
und Handelsleute, wie die Venezianer waren, überall heimisch 
und nirgends eigentlich sesshaft als zu Haus, sich damit begnüg- 
ten, ihre Anforderungen an den Luxus des Kulturlebens durch den 
Handel zu befriedigen. Dichtkunst und Literatur hatten übrigens 
nichts vor den bildenden Künsten voraus. Die venezianischen 
Annalisten berichten nur von vorübergehenden Besuchen Petrarca's. 
Ausser dem Handel gab es noch ein Feld, auf welchem sie 
Lorbeern sammelten,  das Feld der Reisen und Entdeckungen. 
Den Polo verdankten sie ihre Kenntniss der Tartarei und Chinas, 
durch Marin Sanudo, Catarino Zeno und Niccolo Conti wurden 
sie mit Armenien, Palästina, Arabien, Aegypten, Persien, Indien, 
Java und Sumatra bekannt; Carlo Zeno erzählte ihnen von den 
Eisregionen Grönlands und Islands, und sie würden zweifellos  
auch den Seeweg nach Ostindien und nach Amerika gefunden
        

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