Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481448
Oma VIII. ALTARBILD DES HAUSES PESARO. 
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Pracht des majestätischen Luxus der Kirche, in einer Tempel- 
vorhalle, deren Abmessung weit über alles bisher Gemalte hin- 
ausgeht. Vor den hoch in den Aether aufragenden Säulen des 
idealen Gebäudes knieen die venezianischen Nobili vor den Stufen, 
die zu dem Altarpostamente führen, worauf die Jungfrau thront, 
und doch erheben sich die blossen Sockel des gewaltigen Baues 
noch weit über den Hochsitz hinaus. Man sollte erwarten, dass 
neben so riesiger Architektur die Menschengcstalt pygmäenhaft 
erschiene, allein Tizian beherrscht diese kolossalen Verhältnisse 
so, dass vollkommene Harmonie hergestellt wird. Denn er ver- 
stand es eben, stets das Auge an die Stelle zu fesseln, auf die 
es ankam. Obgleich nicht im Mittelpunkte des Bildes zieht doch 
die Madonna das Augenmerk sofort auf sich. Auffallend einfach 
im Vergleich mit ihrer prunkenden Umgebung beugt sie sich 
freundlich nieder nach dem knieenden „Ba1fo". Ihr weisser Schleier 
fallt über eine Schulter zurück, wird aber an der andern von 
dem munteren Ohristkinde festgehalten, das durch denselben mit 
einem entzückenden Lächeln auf Franciskus schaut. Durch die 
Stellung auf. der Höhe der Stufen ist den Heiligen eine ganz 
natürliche Ueberlegenheit gegeben. Vorn links lehnt Petrus am 
Thronsockel, auf dem sein Buch liegt; mit dem Finger die Stelle 
festhaltend, wo er im Lesen stehen geblieben, wendet er das 
Gesicht ebenfalls dem Anbetenden zu. Hinter diesem. tritt ein 
geharnischter Kriegsmann mit dem hoch erhobenen Banner der 
Kirche herzu und deutet, indem er einen mit Stricken gefesselten 
türkischen Gefangenen hinter sich herzieht, auf den Sieg der 
Pesari, der durch einen Lorbeerzweig auf der Fahnenstange noch 
deutlicher gemacht wird. Rechts neben dem kleinen Jesus schaut 
Franeiskus in Verzückung empor. Mit den ausgestreckten Händen, 
welche die Wundmale zeigen, weist er zugleich niederwärts auf 
Benedetto Pesaro, der mit den Mitgliedern seiner Familie  drei 
Männern und einem schönen Knaben  auf dem Boden hinter 
ihm kniet. Der heilige Antonius im Hintergrunde neben Francis- 
kus verliert sich ganz im Schatten. Das Wappen der Borgia, 
welches auf dem dunkelroth und goldenen Damast der Fahne 
gestickt ist, das Wappenschild der Pesari daneben und die auf
        

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