Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481404
VIII. 
VERKÜ Nolqgwe 
ROCCO. 
jLENEDlG. 
251 
F oitschritte der Arbeiten Tizian's im Dogenpalaste und wir dürfen 
wohl annehmen, dass er ihn freigebig dafür belohnte; aber nicht 
zuiiieden, ihm blos durch klingende Münze seine Anerkennung 
zu bezeugen, wandte er auch seinen Einfluss an, um der Familie 
des Meisters zu nutzen. Im April 1525 bestätigte er die Ernen- 
nung von Tizian's Schwager Matteo Soldano zum „Ka.nzler" in 
Feltre und besetzte den frei gewordenen Posten eines „Minen- 
Inspektors" mit Tizian's Vater Gregorio." 
In der Kirche S. Sebastiano in Venedig findet sich ein Grab- 
stein, auf welchem ein namhafter Rechtsgelehrter Amelio Cortona 
die Tugenden eines seiner Vorfahren, weiland Generals im vene- 
zianischen Heere, preist. Durch Testament vom 31.. October 1555 
vermachte dieser Amelio seine „ Verkündigung der heiligsten Jung- 
frau" von Tizian der Bruderschaft von S. Rocco in Venedig, in Venedig, 
deren Besitz sich das Bild noch heute befindet? Es übertrifft 
das denselben Gegenstand darstellende Bild in Treviso in der 
Breite der Behandlung, in der Einfachheit der Landschaft, in 
Schönheit des Colorits und Feinheit der Modellierung; ebenso 
zeigt sich das gereifte Talent des Künstlers in den einfach grossen 
Formen der in betender Stellung an ihrem Pulte knieenden Jung- 
frau. Freilich würde das Bild noch bedeutend höher stehen,_ 
wenn der auf einer Wolke daherschivebende Engel weniger tän- 
zelnd auftrate; die Composition erhält dadurch wieder eine welt- 
liche Beimischung, die bei Tizian nun einmal von der Behandlung 
dieses Gegenstandes unzertrennlich scheint. Das Rebhuhn auf 
dem Boden und der Korb zu Mariaßs Füssen erinnern an die naive 
Weise 
der 
älteren 
venezianischen 
Kunst 
und 
machen 
den 
weiten 
Schritt von der ruhigen Beschaulichkeit der älteren Malerei zum 
blendenden Glanze der Tiziadsehen Zeit nur umso fühlbarerß" 
37 s. die Urkunde im Anhang N0. VI. 
38 vgl. Moschini, Guida di Venezia, Venedig 1815, II. S. 217, und den Auszug 
aus dem Testamente des Amelio Cortona bei Cieogna, Iser. Von. IV. S. 141. 
39 Venedig, Scuola di S. Rocco. Das Bild hängt hoch an der zum Ober- 
geschoss führenden Treppe (Leinwand, Figuren lcbensgross): rechts Maria am Pulte 
knieend vor einer Säule, welche zu der mit steinerner Balustrade abgeschlossenen 
Terrasse gehört, von links kommt der Engel in rothem Gewande mit kurzen weissen 
Aermeln; er deutet mit der Rechten auf die Taube, welche zur Jungfrau herab-
        

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