Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481328
CAD. VIII. FRESKOBILD DES CHRISTOPHORUS. 243 
 
Feinden des Kaisers an. In einer seiner ersten Handlungen als 
Doge hat man scharfsinniger Weise zugleich einen Beweis seiner 
Hinneigung zu Frankreich und seiner wachsenden Schätzung Ti- 
4zian's erblickt. 
Am Fuss der Treppe im Dogenpalast, welche von den Privat- 
gemächern des Fürsten zur Halle des Senates führt, findet man 
ein grosses Freskobild Tizian's, welches den heiligen Christophorus 
darstellt, wie er mit dem Christkinde auf dem Rücken durch die 
Lagunen watet; den Hintergrund bildet eine Ansicht von Venedig 
mit dem Campanile und den sich gegen den Horizont abhebenden. 
Kuppeln von S. Marco. Damit hat es angeblich folgende Be- 
wandniss. Unter dem September 1523 erzählt Guicciardini die 
Ankunft des französischen Heeres in der Nähe von Mailand und 
beschreibt das Lager desselben bei S. Cristofano, eine Meile von 
der Stadt zwischen dem Ticino und dem römischen Thor? Man 
vermuthet nun, der Doge habe, als ihm die Nachricht von dieser 
Bewegung zugekommen sei, Tizian den Befehl ertheilt, das Er. 
eigniss durch jenes Fresko in Form allegorischer Anspielung zu 
verherrlichen. Der Franzosenfreund Gritti konnte so seinen per- 
sönlichen Gefühlen Ausdruck geben, ohne die kaiserliche Partei 
in Venedig zu beleidigen, die jede Deutlichkeit der politischen 
Beziehung übel vermerkt haben würde. 23 Vielleicht Wollte auch 
Gritti im Hinblick auf die ausgesprochene Absicht des Marchese 
von Pescara, die Wasser der Lagunen abzuleiten und sich der 
Republik zu bemächtigen, durch das Bild andeuten: dass wohl 
ein Erwählter Gottes, nimmer aber ein Feldherr durch die Wasser 
nach dem Lido zu dringen vermögeFl Gleichviel, welchen Werth 
man diesen Hypothesen geben mag, das Eine steht wenigstens 
ziemlich fest, dass jenes Freskobild zur angegebenen Zeit gemalt 
worden, und da es vereinzeltes Beispiel einer Technik ist, die 
der Meister mehrere Jahre nicht geübt hatte, so fordert es dadurch 
22 s. Guicciardini, Storie. III. S. 404. 
23 Wir verdanken diese Deutung einer vertraulichen Mittheilung des Mr. Rawdon 
Brown, dessen Annahme in der That durch technische, örtliche und chronologische 
Gründe sowie dureh die Art der Politik Grittfs unterstützt wird, über welche der 
englische Gesandte Pace uns i. J. 1523 berichtet. 
24 Ueber Pescarais Absichten vgl. Cicogna, Iscriz. Ven. VI. S. 184. 
16'
        

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