Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481317
242 TIZIAN UND 
DIE GONZAGA. CAP. T111. 
macht, dass die Täuschung nahezu vollkommen wird und alle 
Analyse vergebens erscheint. Hier ist sicherlich das von Palma 
Giovine beschriebene Verfahren in seiner ganzen Ausdehnung an- 
gewendet worden. Es wäre unmöglich, zu sagen, wie oft das 
Bild übermalt und bei Seite gestellt ward, bevor der wiederholte 
Farbenauttrag, dessen Dicke wir in den Sprüngen erkennen, diese 
Reife und Gediegenheit erlangte. 21 
Der Tod des Dogen Antonio Grimani und die am 20. Mai 
1523 vollzogene Wahl Andrea Gritti's legten Tizian neue Pflichten 
auf und verbesserten in gewisser Hinsicht seine Stellung in Venedig. 
Gritti gelangte nach einem langen und thätigen Leben in der 
Diplomatie und im Watfenhandwerk auf den herzoglichen Stuhl. 
Er war achtundsechszig Jahr alt und besass neben erheblichen 
Verdiensten eine gebieterische Erscheinung und ein edles Antlitz. 
Während des grossen türkischen Krieges in Konstantinopel zu- 
rückgehalten und gefangen gesetzt, hatte er von seinem Kerker 
aus mit Bajazet dem II. die Friedensverhandlungen geführt, und 
als er nach Wiedereinnahme Brescia's durch Gaston von Foix in 
die Hände der Franzosen fiel, vertauschte er die Rolle eines Ge- 
fangeneni mit der eines Gesandten und brachte den Vertrag von 
Blois zu Stande, welcher dem französischen Einiiuss in Venedig 
neues Uebergewicht verlieh. Bei Marignano und Novara theilte 
er das wechselnde Glück Franz des I. und seiner Feldherrn; von 
dieser Zeit schreibt sich seine Vorliebe für die Franzosen her, 
die ihn in den Ruf eines französischen Parteigängers brachte. Da 
er aber, was diplomatische Schlauheit anbetrifft, durch und durch 
Venezianer war, so wusste er geschickt seine Parteilichkeit zu 
verbergen, und als er einsah, dass ein spanisch-deutsches Bünd- 
niss unvermeidlich sei, unterzeichnete er im Juli 1523 die Kapi- 
tulation mit Karl dem V., welche der Republik 200,000 Dukaten 
kostete und zur Folge hatte, dass das venezianische Heer von 
der Schlacht bei Pavia fern blieb. Nach der Freilassung Franz 
des I. schwenkte Gritti schnell um und schloss sich wieder den 
2' vgl. Zanetti, Pitt. 
Venedig 1778, S. 6. 
Venet. 
aber s. 
148a 
auch Temanza, 
Vital di Sansovino,
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.