Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481283
MADONNA vom s. NIGOOLÖ. ROM. 
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Die Mönche hatten zuerst die Absicht gehabt, Paris Bordone mit 
dem Auftrag zu betrauen, besannen sich dann aber anders und 
wendeten sich an 'l'izian, der seinen Ehrgeiz darein setzte, etwas 
Vorzügliches zu leisten." Er war denn auch mit seiner Arbeit 
so sehr zufrieden, dass er die Composition selbst auf Holz zeich- 
nete 15, und von Pordenone wird die Aeusserung überliefert: dies 
sei keine Malerei mehr, sondern wirkliches Fleisch. "i Einzelne 
priesen dies, andere jenes in dem Bilde als besonders gelungen; 
Dolce war, der Meinung, der Goldbrokat des heiligen Nicolaus er- 
reiche in seiner Schwere, in seinem Lüstre und der Stoff behand- 
lung die Wirklichkeit vollständig; der heilige Sebastian erschien 
ihm fast lebend." Aus Vasarfs Schilderung fühlt man den inne- 
ren Kampf eines Mannes heraus, dessen Empfindung ihn zum 
Lobe hinreissen möchte, während sein künstlerischer Parteistand- 
punkt ihn zum Tadel nöthigt. Der nackte Körper des heiligen 
Sebastian, sagt er, erscheine geradezu lebendig und werde für 
schön gehalten, obgleich er ohne jede künstlerische Veredelung 
aus dem Leben gegriffen, ein blosses treues Nachschreiben der 
zufälligen Einzelerscheinung sei's Ridolti findet den Nikolaus 
dem Laokoon des Alterthums nachgebildet." Alle bewunderten 
den Realismus, Einige den Classicismus, Niemand die Farbe. Im 
höchsten Grade einfach, muss die Composition vollkommen sym- 
metrisch gewesen sein, bevor der obere Theil verhunzt ward. Dort 
sah man ehemals die Taube, deren Strahlen sich auf das Haupt 
der Madonna ergossen. Diese sitzt inmitten auf einem den blauen 
Himmel theilenden Wolkenthron, zwei Engel an ihrer Seite tragen 
Kränze und auch das Christuskind auf ihrem Schoosse hält einen 
solchen. Mutter und Kind beugen sich vornüber und blicken nieder 
auf die sechs Heiligen, die vor den dachlosen Trümmern einer 
Kirchenwand die himmlische Erscheinung ahnend und verehrend 
gruppiert sind. Zu ausserst rechts, an einen Pfeiler gebunden 
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Vatikan. 
14 Vasari XIII. S. 47. 
15 Tizianelltfs Anonymus S. IX. und Vasari XIII. S. 26. Der Holzschnitt! 
ist von Andrea Andreani, ausserdem existiert ein Stich (Gegenseite) von Lefäbre. 
16 Dolee, Dialogo S. 66.  17 Dolce a. a. O. 
15 Vasari XIII. S. 26.  19 Ridolfi I. S. 224.
        

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