Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481250
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TIZIAN 
UND 
GONZAGA. 
DIE 
vni. 
der beiden Marien. Derselbe Strahl umrahmt die Wolken am 
fernen Horizonte mit rothem Saum und steigert den Gegensatz in 
dem baumbewachsenen Hügel zur Rechten, in dem sich die Gruft 
öffnet, zu fast nächtlichem Dunkel") 
Die "Grablegung" beschliesst eine Periode in Tizian's künst- 
lerischer Laufbahn, welche mit dem "Zinsgroschen" begonnen hat. 
Noch immer erinnert hier die malerische Gestalt des Evangelisten 
mit dem wallenden Haar an Giorgione, und Einzelheiten der 
Köpfe und Glieder, der Art der Gewandbehandlung, sowie Gegen- 
sätze wie die wettergebräunte männliche Haut und die perlgleich 
zarte weibliche gemahnen auch hier noch an Palma Vecchio. Aber 
an Grossartigkeit der Gesammtwirkung, an Farbenglanz, Adel 
und Verhältnissgefühl ragt es weit über Alles hervor, was diese 
beiden Meister unseres Wissens je geschaffen, wie es denn über- 
haupt an Gluth des Ausdrucks und an Charakteristik der Leiden- 
Schaft in der gesammten venezianischen Kunst einzig dasteht. 
Neben der Feier des Todes, die der Leichnam ausspricht, und 
neben der sorglichen Hast Joseph's ist in der Magdalena eine 
Wildheit des Schmerzes, in Maria eine todtestiefe Traurigkeit und 
in Johannes ein Aufruhr der Gefühle geschildert, welche dem 
Beschauer die Seele erschüttern. Betrachtet man aber die tech- 
nische Behandlung, sieht man wie fein die braunen Gesichter 
durch den Kummer gebleicht und durch den Sonnenstrahl wieder 
erhellt sind, wie ihr Ton gegen den Schein des rothen Haares 
sich abhebt, dann erlahmt jede Beschreibung. Ueberall die grösste 
Leichtigkeit und erstaunliche Beweglichkeit des Vortrags. Hier 
erzeugt der Meister mit transparenten Tönen die Feinheit der 
Modulation und den thauigcn Duft der zarten Hautfläche, dort 
arbeitet er mit kräftigem Lokalton bei dünnem Farbenkörper 
 
m Paris, Louvre N0. 465, Leinwand, h. 1,48, bT- 2,05 (5- Vinotys Katalog; 
in Bathoes Katalog S. 96 ist das Maass mit 4 F. 4 Z. Höhe bei 7 F. Breite an- 
gegeben): das Bild ist gut erhalten. Stiche davon sind zahlreich vorhanden: von 
G. Rousselet, Chaperon, Masson, Joh. de Marc, Filhol und Landen, Photographien 
von Braun.  Das" Gemälde steht in einem Inventar des mantuanischen Schlosses 
v. J. 1627 verzeichnet, s. d'Arco, dclle arti di Mantova II. S. 160. Die noch zu 
erwähnende Copie in der Galerie Manfrin in Venedig, ebenfalls auf Leinwand 
und im Maasstabe des Originals, ist kürzlich verkauft worden.
        

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