Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481119
E 
WERKE DER ERSTEN JAHRE NACH 1520. 
CAP. 
Paris, 
Louvre. 
welcher der Stolz der modischen Venezianerinnen jener Zeit war, 
und die durchs Flechten hervorgebrachten Wellen. Auch fehlt 
die Salbe auf dem Tische nicht, die das Parfüm zu spenden hatte. 
Indess dies Alles konnte damals wohl auch einem Mädchen der 
mittleren Stände geläufig sein" und es schädigt den Eindruck 
der Einfachheit nicht, den das Bild hervorbringt. Die Schöne 
steht an einem Tisch oder einer Platte von Stein, mit dem Ord- 
nen ihres Haares beschäftigt, Während der im Dunkel hinter ihr 
sichtbare Mann in der Linken einen runden Spiegel hält und das 
von diesem zurückgeworfene Bild mit dem in der anderen Hand 
befindlichen viereckigen Glase auffängt. Diesem zweiten beugt 
das Mädchen leicht den Kopf zu, während ihr Geliebter auf- 
merksam beobachtet, wie sie eine lange Strähne ihres Haares 
durch die Hand zieht. Ueber das weisse, fein gefaltete Linnen, 
das lose ihren Busen bedeckt, ist ein kurzes grünes Mieder nach- 
lässig geheftet und ein Schooss von demselben Stoff sitzt mittels 
gleichfarbiger Schärpe an der Taille fest. Von der rechten Schulter 
hängt ein weiter weisser Aermel in 1'eichen Bauschen herab und 
lässt den {ieischigen Arm vollständig frei, ein breiter blauer Gürtel 
windet sich um die linke Seite und lässt nur die nach der Salben- 
büchse greifende Hand sehen. Der linke Scheitel ist bereits 
frisiert, der rechte ist noch in Arbeit; aus dem Blickt aber, der 
sich dem Glase zuwendet, leuchtet entzückender Muthwille gepaart 
mit kindlicher Harmlosigkeit. Kohlsehwarze Augen und Brauen 
contrastieren pikant mit dem röthlichen Haar, die feingeformte 
Nase springt zart aus einem Gesichte von gerundeten, aber reinen 
Linien hervor und die Lippen, von einem Kirschroth, das Tizian 
allein natürlich zu machen versteht, sind überaus fein geschnitten. 
Das Lieht ist mit ungewöhnlicher Kraft auf Gesicht und Büste 
"gesammelt, während Gestalt und Züge des Mannes sich im Däm- 
mer verlieren, Unmerklich gleitet das Auge des Beschauers aus 
den zartesten silbernen Abstufungen des sonnigen Fleisches und 
der Gewänder in eine beinahe undurchdringliche Dunkelheit 
32 s. Oesare Vecellio, Degli habiti antichi am, Venedig 1590, S. 145. Er 
gibt die Abbildung einer Dame, deren Haar durch einen oben oifeuen Strohhut 
hindurch gekämmt ist und an der Sonne bleicht, dabei die Angabe zum Färben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.