Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1481082
CAP. VII. "BACGHUS UND ARIADNE". LONDON. 219 
 
dass der Künstler aus einem Traume Oatull's ein Gemälde zu 
schaffen vermochte, das wir sofort als eine unwiderstehliche Wirk- 
lichkeit hinnehmen. In der warmen Luft von Naxos hat es gar 
Nichts gegen sich, wenn Leoparden sanfte Zugthiere werden, 
Hörner und Ziegenfell der Faune muthen uns ebensowenig be- 
fremdlich an wie die Schlangen, welche sich harmlos um Bein 
und Arme der Satyrn winden. Selbst die Trunkenheit verliert 
hier das Abstossende; Nymphen werden zu natürlichen Wesen, 
deren Bestimmung ist, aller Hülle ledig mit Cymbel und Tam- 
burin durch Flur und Hain zu tanzen. In dieser Macht, eine 
Soene, deren Elemente sammt und sonders phantastisch sind, in 
einen Vorgang umzugestalten, den wir willig glauben, hat Tizian 
unter allen Zeitgenossen nicht seines Gleichen. Noch weniger in 
der Kunst, den Gestalten energische Bewegung zu geben, ohne 
den Reiz der Schönheit und Anmuth zu vermindern.  
So lange die Este's Ferrara besassen, hingen sie mit Zärt- 
lichkeit an den Schätzen in Alfonso's Camerino; indess Sorglosig- 
keit oder Mangel an Verschlagenheit von ihrer Seite machte es 
möglich, dass der Cardinal-Legat Aldobrandini sie i. J. 1598 ent- 
führte. Papst Olemens der VIII. war mit dem Anspruch der 
Kirche auf Ferrara glücklich durchgedrungen. Herzog Cesar von 
Modena" hatte den Staat unter der Bedingung übergeben, im Be- 
sitze seines liegenden und beweglichen Eigenthums zu bleiben, 
der Legat liess aber die Bilder heimlich aus dem Schlosse fort- 
schaffen und weigerte sich später, sie herauszugeben. In Rom 
fertigte dann Varotari die geschmackvollen Oopien an, welche 
jetzt in der Galerie zu Bergamo aufbewahrt sind. 22 Die "An- 
betung der Venus" und das "Bacchanal" wurden in den Palast 
Ludovisi gebracht, wo sie blieben bis der Cardinal dieses Namens 
sie dem spanischen Vicekönig Graf Monterey als Geschenk für 
den König von Spanien sandte? Im Juli 1638 hielt es der eng- 
" s. Campari, Tiziaxio e gli Estensi S. 28 und Frizzi, Memorie per 1a storia 
di Ferrara. Varotari ging in seiner Treue so weit, dass er sogar die Inschriften 
der Bilder wiedergab; vgl. auch Boschini, Carta del navegar S. 173, welcher be- 
richtet, dass Varotarfs Copien in Rom gemalt seien. Eine Zeit lang befanden sie 
sich als Erbstucke im varotarfschen Hause in Venedig. 
23 Boschini, Carta del navegar S. 169 ff,
        

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