Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480989
CAP. 
VII. 
ALTARBILD 
E 
amascß 
209 
Licht, welches nur den Saum des Umrisses bestrahlt, wirft das 
Gesicht und die blaue Tunika in einen reichgetönten Schatten 
voll feinster Mannichtaltigkeit, gibt den Flächen und Verkürzungen 
zarteste Abstufung und macht, obwohl klarer Aether den. Hinter- 
grund bildet, auch die leisesten Wandlungen im Ton der Stoffe 
noch genügend erkennbar. Wir stehen nicht an, den Geist, der 
sich auf dieser Stufe venezianischer Kunstentwicklung verkündet 
und der in unserem Bilde eine gewisse Verwandtschaft mit Rafael 
hat  wir denken an die „Befreiung des Petrus" im Vatikan  
auf gleiche Höhe zu stellen mit demjenigen, den die classische 
Kunst Griechenlands offenbart. In späterer Zeit wurde Tizian ein 
weit rückhaltloserer und kühnerer Naturalist, aber gewinnender 
war er nie. Die Meisterschaft, mit der seine Pigmente behandelt 
sind, der Reichthum, die Tiefe und Durchsichtigkeit seiner Farben 
sind unübertroffen. 
Die Gegenfigur der Jungfrau hat nicht so schmelzenden Glanz, 
ist aber voll milder Heiterkeit, 'ein Profil, in welchem Ehrfurcht 
und Ruhe einen wirksamen Contrast zu der offenen Freudigkeit 
des verkündenden Engels bilden. Bewunderung erregt endlich 
das Feld, auf welchem Averoldo und seine Schutzheiligen dar- 
gestellt sind; sowohl das Porträt wie auch die Behandlung der 
Stoffe  schwarze Seide gegen Stahlpanzei- abgehoben  ver- 
dienen vollendet genannt zu werden. 
Tizian schmeichelte sich, der Sebastian unseres Bildes sei 
das Beste, was er je gemalt habe, und die öffentliche Meinung 
in Venedig pflichtete ihm bei, wie denn auch zahlreiche Copien 
den nachhaltigen Eindruck bestätigen, den diese Figur auf Künstler 
und Laien gemacht hat. Gleichwohl ist es keine Ketzerei, wenn 
man den eigenthümlichen Grund dieser Bewunderung in der Kühn- 
heit des Malers und in der Neuheit des Versuches findet, eine 
antike Statue in einen christlichen Heiligen zu verwandeln. Im 
ersten Entwurf war der schöne Märtyrer nicht an einen Baum, 
sondern an eine Säule gebunden. „Der Körper" schreibt Tebaldi 
an den Herzog von Ferrara „_ist mit einem Arm in der Höhe 
gefesselt, der andere tief hinunter an eine Säule; die Gestalt 
bewegt sich in einer Weise, dass beinahe der ganze Rücken 
Crowe, Tizian l. 14
        

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