Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480934
E 
WERKE 
ERSTEN 
DER 
JAHRE 
NACH 
1520. 
C 
xi 
VII. 
ursprünglich mit grosser Freiheit und Kraft ausgeführt und  
wenn auch schnell gemalt  doch vollständig vollendet war; 
unglücklicherweise ist aber die Oberfläche durch Abblätterung 
und Nachhilfen im Fleischton sowie durch schlechte Ausbesserung 
untergeordneter Theile aufs Uebelste zugerichtet. Die Kritik kann 
sonach nicht mehr als den guten Glauben aussprechen, dass das- 
selbe zu den Erbstücken aus Tizian's Hause gehört hat, welche 
durch Pomponio Vecelli an die Barbarigds gekommen sind und 
als solches Anspruch darauf habe, als Werk des Meisters be- 
trachtet zu werdenß 
Wien, Bei dem Rosenbergschen Exemplar hat Tizian sich nicht 
322,121? damit begnügt, die Form wiederzugeben, sondern er geht tiefer 
und stellt ein Bildniss hin, das uns den Geist und die schweren 
Lebenserfahrungen des Mannes empfinden lässt. Hier steht Gri- 
mani vor einer theilweis von rothem Teppich verhangenen dunkeln 
Wand am Tische. Sein glattgeschorenes Haupt bedeckt die Dogen- 
mütze, ein weiter Hermelinmantel umhüllt die grosse knochige 
Gestalt. Der Tisch selbst ist durch die kaleidoskopischen Farben 
einer türkischen Decke belebt, auf welcher ein Brief und eine 
Limone liegen; davor wird die mit Handschuh bedeckte, aus dem 
Pelzwerk hervor-kommende Hand sichtbar, welche mit katzen- 
 artigem Grilf ein weisses Taschentuch fasst. Das magere Gesicht 
mit dem grossen zahnlosen Munde verräth all' die Sorgen und 
Qualen, die der Mann erlitten, aber auch die trotzige Energie, 
ihnen Widerstand zu leisten. Die Nase ist kurz und dünn, die 
Nüstern weit, da der lippenlose Mund sich zu einer einzigen Linie 
spannt; kohlschwarze Augen blicken scharf aus runzligem Fleisch 
unter grauen Brauen hervor. Nach rechts gewendet, folgt das 
3 vgl. oben. Das Bild ist auf Leinwand gemalt, 1,17 M hoch und 1,00 M. 
breit. Fast der ganze Backen links der Nase und sämmtliche Finger haben ihre 
ursprüngliche Farbenschicht eingebilsst. Vorn an der Brüstung unterhalb der Hand 
des Dogen steht die (neue) Inschrift: „ANTONIVS GRTMANVS VENETLÄR; 
DVX." Die Figur ist lebensgross. Ueber die Identität des Bildes mit dem bei 
Ridolii I. S. 262 in der Sammlung Barbarigo erwähnten kann kein Zweifel sein. 
Ridolfi berichtet übrigens, dass dieses sowie die Porträts von Paul dem IIL, Philipp 
dem 11- und Franz dem I. und die der Dogen Antonio Grimani und Andrea 
Gritti Sich biS Zu Tizian's Tod in dessen Hause befanden.
        

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