Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480880
CAP. VI. AUFTRÄGE IM JAHRE 1520. 
1_99 
schrak im letzten Moment vor dem Wagniss zurück, sich mit dem 
Legaten zu überwerfen, und Tizian empfand Schaam darüber, 
dass er der gemeinen Versuchung erlegen sei, ohne dadurch einen 
entsprechenden Gewinn erreicht zu haben. Vor Weihnachten er- 
hielt Tebaldi einen Brief vom Herzog, mit dem Befehl, Tizian 
dessen Inhalt mitzutheilen:  
„Lasst ihn wissen " schreibt er "dass wir uns die Sache 
noch ein Mal überlegt haben und zu dem Entschlusse gekommen 
sind, Seiner Ehrwürden dem Legaten_ die Beleidigung nicht zu- 
zufügen. Schärfet ihm. dagegen ein, er solle daran denken, uns 
gut mit dem Werke zu bedienen, das er für uns unter Händen 
hat, da wir ihm für den Augenblick nicht noch mehr autbürden 
wollen; auch haben wir ihn an den Kopf zu mahnen, den er vor 
seinem Weggang von Ferrara auf unser Geheiss begonnen hat. "i" 
Der Absendung dieses Briefes ging ein Stück Leinwand und 
ein Geschenk von 25 Scudi voraus. Einer in der Folge von 
Tebaldi gegebenen Antwort entnehmen wir, dass „ der Kopf" eine 
Halbtigur auf einer Tafel gewesen sei, welche Tizian versprochen 
hatte durch Hinzufügung „des Ellenbogens und eines Theiles der 
linken Hand" zu vervollständigen? So ergiebt sich also, dass 
Tizian, während er das Altarbild für den Legaten vorbereitete, 
gleichzeitig unter der Verpflichtung stand, mehrere Bilder für den 
Herzog zu vollenden. Dies war jedoch durchaus noch nicht die 
ganze Last, welche auf seinen Schultern ruhte. Die venezianische 
Regierung wartete immer noch auf das Gemälde „die Schlacht" 
und Jacomo da Pesaro, des Meisters alter Freund und Gönner, 
drängte ihn um ein Altarbild, auf das i. J. 1509 verschiedene 
Vorschüsse gemacht worden warenfs Man sollte unter diesen 
Umständen erwarten, Tizian hätte die erste sich ihm darbietende 
Gelegenheit ergriffen, um sich von seiner Verbindlichkeit zu be- 
freien oder doch wenigstens einige der älteren Forderungen zu 
befriedigen, ehe er neue Aufträge übernahm. Aber mit nichten. 
Weder Alfonsds Vorstellungen noch die Mahnungen der Regierung, 
 
Alfonso an Tebaldi, Ferrara, 23. December 1520 T 
Ebenda. ' 
s. den Anhang zu diesem Bande und vgl. Selvatieo, 
54 
55 
5G 
bei Gampori 
1520 
Guida di Venezia, 
181.
        

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