Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480875
12a 
TIZIAN 
UND 
ALFONSO 
VON 
ESTE. 
Aufträgen, die von geistlicher Seite an ihn kämen, nun und 
nimmer-mehr leiden. Tebaldi bekam aber doch Lust, den viel- 
gepriesenen Sebastian zu sehen. Er erfuhr, dass der Meister einen 
Tag festgesetzt habe, an welchem das Bild für seine Freunde 
ausgestellt sein sollte, schloss sich den Besuchern an und hörte 
aus Tizian's Munde von Neuem die Erklärung, er habe nie etwas 
Besseres gemacht. Dies brachte den schlauen Vermittler auf den 
Einfall, ob er den Meister nicht vielleicht überreden könne, seinen 
Schatz dem Herzog zu überlassen. Er wartete deshalb bis die Ge- 
sellschaft sich zerstreut hatte und liess dann die Bemerkung fallen, 
es sei doch eigentlich verlorene Mühe, wenn ein solches Bild in 
die Hände der Pfatfen und nach Brescia käme, Während ein 
Herzog von Ferrara da sei, der es mit-Vergnügen kaufen würde. 
Zuerst heuchelte Tizian Beleidigung; „ er wisse nicht, wie er dazu 
komme, dass man ihm einen solchen Betrug zutrauen könnte  
Tebaldi liess sich dadurch aber nicht abschrecken, sondern sagte, 
er wolle ihm den Weg zeigen, wie das zu machen wäre, und 
schlug "nun vor, Tizian solle für den Legaten eine Wiederholung 
mit einigen Abänderungen malen. Dieser weigerte sich jedoch, 
einem solchen Ansinnen Gehör zu schenken, und Tebaldi verliess 
das Haus, ohne seinen Zweck erreicht zu haben. Solche Ver- 
suchungen von Seiten hochgestellter und einflussreicher Persönlich- 
keiten erwiesen sich jedoch zuweilen stärker als Tizian's tugend- 
hafte Entschlüsse. War auch seine erste Regung ehrlich gewesen, 
den erneuten Anreizungen seines Gönners hielt sie nicht Stand. 
Tebaldi hatte inzwischen an Alfonso berichtet, ihm den St. Seba- 
stian geschildert und strenge Geheimhaltung empfohlen, damit die 
Priester nicht etwa Wind bekamen und die Tafel aus Tizian's 
Werkstatt abholtenßa Der Herzog ermuthigte seinen Geschäfts- 
träger, sich des Schatzes zu versichern und Tizian fiel wirklich 
in die Falle, die ihm in Gestalt von sechszig Dukaten in baarem 
Gelde gestellt ward. Beide Theile hatten indess bald reichliche 
Veranlassung, ihren Antheil an dem Handel zu bedauern. Alfonso 
 
Brief vom 
Alfonso , 
53 Tebaldi an 
gli Estcnsi S. 11. 
December 
1520 
Tiziano 
Cunlpori , 
bei
        

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