Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480847
(LAS 
E 
MADONNA 
ANCONA. 
195 
langsameren Pulsschlag Moretto's befeuerte. Das Gemälde ist nur 
halb so gross wie die „Assunta", aber immer noch über zehn 
Fuss hoch. Es ist auf Holz gemalt in einem Vortrag, bei welchem 
Ton und Pinselfiihrung in wohlberechnetem Contrast gehalten sind 
und frei von den Zirtallswirkrlngen, die später oft bei den auf 
grober Leinwand ausgeführten Bildern Tizian's vorkommen.  
Links steht Franciskus, in der rechten Hand das Kreuz, die linke 
auf die Brust gelegt, den Körper dem Beschauer zugewendet, das 
aufwärts gen Himmel gerichtete Antlitz von der Seite sichtbar, 
rechts der heilige Blasius in bischöflichem Gewande; er deutet 
mit dem Finger himmelwärts, um die Gedanken des Stifters zu 
lenken, auf dessen Schulter er die Linke legt. Im Hintergrunde 
zwischen Beiden öffnet sich die Aussicht auf die Lagunen mit 
Venedig in der Ferne. Eine am Himmel dahinsegelnde Wolken- 
sehicht trägt die Jungfrau und das Kind: Gabriel, im reinsten 
Weiss, kniet nieder, im Begriff, den Saum von Maria's Mantel 
aufzuheben, dabei hält er den Fuss des Ghristkindes in der Hand, 
welches nach dem Zipfel des Obergewandes seiner Mutter hascht, 
wie Kinder zu thun pflegen, die noch nicht fest auf den Füssen 
sind und sich an etwas anzuhalten streben; gleichzeitig wendet 
sich der Kleine, um den Segen zu ertheilen. Die sitzende Jung- 
trau hat ihn unter der Armhöhle leicht gefasst und schaut wohl- 
wollend zu dem knieenden Anbeter herab; rechts von ihr stehen 
in den Wolkengeschieben und halb verborgen vom kräuselnden 
Dunst derselben, zwei schalkhafte Cherubim, von denen der eine 
sehnsüchtig nach der Madonna schaut, während der andere alt- 
klug die unten befindliche Gruppe mustert, beide mit Blumen- 
kränzen in den Händen. Im Gegensatz zum Lichte dieser Gruppe, 
die sich vom Himmel abhebt, sind die Figuren des Vordergrundes 
durch tiefe Töne und Schatten von den klareren Tinten der Land- 
schaft wirkungsvoll losgehoben. Grosse Meisterschaft zeigt sich 
in der Breite des Pinselstriches, welcher Tizian's Kunst hier ganz 
besonders charakterisiert. Der Kopf des Stifters, dessen Züge zu 
altern beginnen und dessen Haar schon graue Spuren trägt, ist 
wundervoll modelliert, voll ergreifenden Lebens; in der fast un- 
willkührlichen Geberde des Blasius liegt tiefe ehrfurchtsvolle 
134" 
Ancona, 
S. Dome- 
nico.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.