Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480809
CAP. 
DAS 
.BACCHANAL' 
MADRID 
LL 
ist erhoben, die Hand wird durch den Schenken hinter ihr ge- 
halten, sie stützt den rechten Ellenbogen auf den Boden und wendet 
das Gesicht dem Mädchen zu, das sie umarmt und sie auffordert, 
zu trinken und zu singen, denn in der Hand hält sie die Flöte 
und vor ihnen erklingt Gesang; die Becher sind umgestürzt und 
die Schüssel enthält nur noch ein Stück Huhn. Weisse Gaze- 
Tunika, rubinrothes Leibchen und Hemd umrahmen Brust und 
Gesicht von ausserordentlicher Schönheit. Man wird an jene lieb- 
lichen Typen von früher erinnert, die zu der Sage von Tizian's 
Liebe zu Violante Anlass gegeben. Und selbst hier sind wir nicht 
frei vom Echo dieser Sage. Am Busen der Schönen sieht man 
das Veilchen oder Stiefmütterchen, welches Palma's wonniges 
Frauenbild im Wiener Belvedere trägt, und obgleich Tizian sich 
damals in dem Alter befand, in welchem venezianische Patrizier 
in den Senat traten," erkennt Ridolfi doch in dieser entzückenden 
Mänade die Geliebte des Malers. Zu leugnen ist allerdings nicht, 
dass es die Gesichtszüge sind, welche Tizian und Palma unsterb- 
lich gemacht haben, wenn wir auch annehmen dürfen, dass es 
ein ldealtypus war, in dem sie das Urbild schöner Jugendlichkeit 
erblickten. 
Tizian's künstlerische Absicht war bei unserem Bilde ebenso 
sehr wie auf erlesene Form, reizvolle Physiognomik und Harmonie 
des Tones, auf massige Gruppierung und schwungvollen Linienzug 
gerichtet, und seine Fähigkeit, plötzliche Affekte und Handlungen 
mit höchster Beweglichkeit zur Anschauung zu bringen, ist in 
ihrer Art nicht minder vollendet wie die Feinheit, mit welcher 
er die Linien durch Contraste von breitem Schatten oder glänzen- 
dem Lichte verschärft. Als Beweis für die Geschicklichkeit des 
Meisters in der Verbindung der handelnden Figuren genügt die 
Wahrnehmung, dass, während die Figur des Mannes, der den 
Wein eingiesst, die trinkende Frauengestalt im Vordergrunde mit 
der dahinter beündlichen Mänade zusammenbringt, ein Jüngling 
zu ihren Füssen das Bindeglied bildet zwischen ihr und einer 
noch malerischeren Gruppe zur Rechten. Sein Kopf ist den Tänzern 
vierzigsten.
        

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