Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480762
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VI. VERKÜNDIGUNGSBILD IN TREVISO. 187 
der Stoifbehandlung und der reichen Architektur, deren Marmor- 
Wände mit Reliefs geschmückt sind, endlich am meisten das seelen- 
volle jugendschöne Angesicht der Jungfrau mit den leuchtenden 
Augen. 
Auch in Tizian's Tagen war eine Reise von Venedig nach 
Treviso unerheblich: mit der Gondel bis Mestre und von dort ein 
paar Stunden zu Pferd. Es ist daher nicht verwunderlich, dass 
wir von dieser Fahrt keine besondere Meldung haben. Möglicher- 
weise ward das Bild abgeliefert, als Tizian nach Treviso kam, 
um in Folge eines an ihn ergangenen Rufes die Fresko-Gemälde 
abzuschätzen, welche Pordenone an der Vorderseite des Palastes 
Ravagnino ausgeführt hatte. Der Besteller sollte Pordenone für 
dessen Arbeit fünfzig Dukaten zahlen und weigerte sich dessen 
unter der Behauptung, das Werk sei diesen Preis nicht Werth. 
Tizian, auf dessen Schiedsspruch Ravagnino provocierte, über- 
zeugte ihn, dass er für eine bescheidene Summe sehr gut bedient 
sei. Schon dieser Umstand dürfte dafür zeugen, dass die Be- 
ziehung der beiden" Maler, so übel sie später sich gestaltete, 
zu jener Zeit noch keinen feindseligen Charakter hattefw 
Tizian war inzwischen in jedem Sinne des Wortes in Venedig 
ein Mann der Oeifentlichkeit geworden. Die Lobsprüche der zu 
den Frari strömenden Menge, die häufigen Besuche, welche Tebaldi 
seiner Werkstatt machte, die Ankunft des Herzogs von Ferrara 
in Venedig und seine Unterredungen mit ihm, Alles trug dazu 
bei, die Signorie daran zu erinnern, dass Tizian so lange schon 
der bevorzugt-e Maler des Staates sei, ohne irgend welche Gegen- 
dienste dafür geleistet zu haben. Im Saale des Grossen Rathes 
war seit Jahren Nichts geschehen und es deutete auch kein An- 
39 vgl. Ridolfi I. S. 147 und 229. Er berichtet ferner, Tizian habe an der 
Wand des Domes oberhalb der Scuola del Sacramento eine Auferstehung Christi 
gemalt. Ueberreste einer aufsteigenden Figur Christi mit der Fahne in der Hand 
finden sich zwischen den Fenstern eines Hauses dem Dom gegenüber; unter der 
Hauptgestalt sieht man noch Andeutungen von denen der Wachen und seitwärts 
schwache Spuren zweier Heiliger. Der Zustand dieser Fragmente macht einen 
Schluss auf den Urheber fast unmöglich, jedenfalls kann man das Fresko mit eben- 
so gutem oder schlechtem Rechte dem Pennacchi oder einem andern derartigen 
Meister, wie dem Tizian zuweisen.
        

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