Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480739
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TIZIAN UND ALFONSO VON ESTE. 
CAP. 
der improvisiere, könne nicht hoffen, reine Verse zu machen. Da- 
gegen war er ein besonderer Freund von „ Gewürzen " in Gestalt 
letzter Retouchen. Dann und wann modellierte er das Lieht 
durch Reiben mit dem Finger in die Halbtinte oder drückte mit dem 
Daumen einen Fleck von dunklem Pigment in irgend einen Winkel, 
um ihn zu kräftigen, oder zog einen röthlichen Strich  sozu- 
sagen eine blutige Thräne  um die Theile oberflächlich zu 
trennen. Mit einem Worte, er malte, wenn es an die Vollendung 
ging, mehr mit den Fingern als mit dem Pinsel. " 36 
Diese Handgriffe, wie sie ein Mann, der Tizian's Schiller War, 
bei ihm beobachtete, waren i. J. 1518 noch nicht so ausgebildet 
wie dreissig Jahre später, der Ursprung derselben findet sich in- 
dess schon in der "Assunta  Zu dieser Zeit kau es Zuweilen 
vor, dass Tizian, wenn er ein Glied einrenken wolle, eine Ziem- 
lich plumpe Operation zu Stande brachte. TIOtHlem war er da_ 
mals unverkennbar im Besitz grosser techniscler Sicherheit. Er 
erfüllte die von Lionardo aufgestellte Forderrßg, dass das Wahre 
malerische Kunstwerk, je länger man es lßimßiilte, 468W mehr 
Vergnügen bereiten müsse. Halten wir feil, dass die Sßllililerüng 
Pa1ma's den ersten Theil der handwerklichen Arbeit darlegt. 
Flotte Pinselstriohe in klaren Tonfolgel 111111 Wvlllßrwegener Bre- 
chung der Tinten in einander bilden die Grundlage. Jedes 
Mal, wenn die Arbeit wieder vorgerümmßll Ward, wurde die Bild- 
fläche farbiger, die höchsten Lißber aber erst sehr spät aufgesetzt, 
und wenn dies geschah, Wurder die Pigmente sehr breit angelegt 
und nur in den Lichtpal-tien pittels kräftig oontrastierender rother 
und graue,- Töne oder in ien dunkeln Stellen mit bleifarbenen 
und braunen Zusätzeh gebrochen. Das Ganze wurde alsdann 
durch dünne durchsichtige Lasuren einerseits und durch trübe 
Ueberzüge andrerseits .n Einheit gebracht oder zusammengestimmt. 
War es nöthig, so mnielten nunmehr die Umrisse noch ihren Nach- 
druck und das B11; war fertig. Bei genauer Besichtigung zeigen 
sich überrasehgpi scharfe Gegensätze zwischen breiten, tinten- 
artigen Flächep und kräftigen Pinselzügen; oft finden sich schwierige 
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36 Aeussßrllllg des Pulma Giovine, s. 
Boschinfs Vorwort zu den Ricche minere,
        

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