Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480726
CAP 
TlZIAN'S TECHNIK. 1 83 
Zwielicht 
einer 
Kirche 
oder 
der 
helleren 
Luft 
eines 
Prunk- 
zimmers gesehen werden sollte. 
Ueber dies technische Verfahren Tizian's sind in unseren Tagen 
so viel Theorien aufgestellt worden als es Maler gibt, die des 
Meisters Werke copierten, und es mag deshalb auf den ersten Blick 
amnaasslich erscheinen, wenn man es unternimmt, über einen 
Punkt Aufklärung geben zu wollen, über den fast alle Künstler 
verschiedener Meinung sind. Angesichts eines Meisterwerkes von 
solcher Bedeutung wie die "Assunta" ist es jedoch kaum möglich, 
die Frage ganz mit Stillschweigen zu übergehen. Palma der Jün- 
gere hat ms die folgende Schilderung hinterlassen, die sich zwar 
auf eine späte Periode der Thätigkeit Tizian's bezieht, aber nichts- 
destoweniger interessant und lehrreich ist. "Tizian" sagt er "prä- 
parierte seine Bilder mit einer soliden Lage von Pigment, welche 
als ein Bett Ode: Untergrund diente, den er Wiederholt vornahm. 
Einige solcher Vu-bereitungen wurden mittels kräftiger Striche 
und reichlich gesättigten Pinsels ausgeführt, die Halbtinten mit 
reiner rother Erde aufgetragen, die Lichter mit Weiss angesetzt 
und sodann mit Hilfe tesselben Pinsels durch Roth, Schwarz und 
Gelb ausgerundet. Auf liese Weise gab er mit vier Strichen die 
Andeutung einer Figur. Nachdem er diesen Grund gelegt, lehnte 
er das Gemälde gegen die Wand und liess es Vielleicht Monate 
lang stehen; nach Verlauf einn- längeren Zeit nahm er es wieder 
vor, betrachtete es sorgfältig 111d untersuchte die einzelnen Theile 
so scharf als musterte er die Gesehtszüge seines Tedfeindeg, Er- 
schien ihm dabei eine Partie fehleriaft, so maehte er sieh an die 
Verbesserung und gebrauchte dabei ämliehe Mittel wie etwa ein 
Chirurg sie anwenden würde, d. h. e- schnitt hier Auswüchse, 
dort überflüssiges Fleisch ab, brachte eeen Arm in die rechte 
Lage, renkte ein Glied ein und achtete labei keine Mühe und 
Arbeit zu gross. Dadurch brachte er denn das Ganze in eine 
gewisse Symmetrie, setzte die Arbeit wieder bei Seite, um in 
derselben Weise zum dritten und vierten Male w ihr Zurückzu- 
kehren, bis die ersten Umrisse mit einem Fleisch Uebel-zuge be- 
deckt waren. Es war ganz gegen seine Gewohnheit, ein Bild 
hinter einander weg zu malen, und er pflegte zu sagen, ein Dichter,
        

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