Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480701
DIE "ASSUNTA" 
Raume bei künstlichem Licht erinnernde Tiefe hergestellt? Durch 
Mittel, die sich dem Meister ganz von selbst boten, als er an dem 
Altar der Frari arbeitete. Dort in der Dunkelheit der Kirche 
tönte und milderte er das Bild seinem Platze gemäss mit Farben, 
welchen eine dunkle oder neutrale Schattierung zu Grunde liegt 
oder mit solchen, die ein bei Lampenlicht arbeitender Maler ver- 
wenden würde, die aber, an ihrer richtigen Stelle gesehen, sicher 
vollkommen wahre und durchsichtige Effekte hervorbrachten. 
Mit Staunen stehen wir vor den Aeusserungen einer Künstler- 
kraft, die im Stande war, auf einer einzigen Bildfläche die Er- 
fahrungen eines halben Jahrhunderts der Oelmalerei zusammen- 
zufassen und etwas so durch und durch lebensvoll Wirkliches 
hervorzubringen, dass es die Natur selbst zu sein scheint  frei- 
lich Ilißht Natur im Alltagsgewande, sondern in dem Feierkleide, 
das ihr Sonne und Wolkenspiel angelegt. Und dieser Erfolg ist 
mit niohten blos glücklicher Wurf des Genies, sondern die Frucht 
klarer und verständiger Rechenschaft. Denn alle höchsten Ent- 
hüllungen der Kunst haben dieselbe Voraussetzung, die im letzten 
Grunde auf dem Verstande der Schöpfer beruht. So die Ideal- 
bildung der griechischen Antike und die des Michel Angelo, so 
hier diese zweite Natur der malerischen Wahrheit, vermöge deren 
Tizian der Kunst Venedigs nun eine neue Physiognomie gab und 
ebenbürtig neben Rafael und Buonarroti tritt. 
Es ist jedoch nicht blos der Ton oder die Natur-Wahrheit in 
der Gruppe der Apostel, was ihren Reiz ausmacht. Die Werke 
der grössten Zeitgenossen Tizian's haben nichts aufzuweisen, was 
eine so überlegene Befähigung in der Wiedergabe des energischen 
Atfektes bei gemalten menschlichen Gestalten an den Tag legte. 
XIII. S. 25 schreiben konnte, es sei auf Leinwand gemalt und schlecht verwahrt, 
sodass man es kaum sähe. Beim Abputzen, das zu verschiedenen Malen daran vor- 
genommen wurde (1817 von Baldassini, dann von Florian und (Euer-ehe), sind die 
feinsten Lasuren und die Pinselstriche letzter Hand zerstört worden, jedoch ist der 
obere Theil, wenige Uebermalungen abgerechnet, wohl erhalten, der untere dagegen 
hat durch umfassende Nachbesserungen gelitten, besonders das gelbe Gewand des 
Petrus, welches fast ganz neu ist. Do1ee's Angabe (Dialogo S. 64), dass das Bild 
gemalt sei, als der Meister noch „g"iovanetto" gewesen, wird durch Sanuto wider- 
legt, aus dessen Diarien hervorgeht, dass Tizian, als er es malte, 40 Jahr alt war. 
Es ist gestochen u. a. von Natale Schiavoni, photographiert von Naya.
        

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