Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480689
ÜAP. 
DIE 
"ASSUNTN 
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erreicht, welche gleicher Weise auf Linien wie auf der Atmo- Venedig, 
sphäre beruht, und ihrer Wirkung kommt die aufs Feinste be- Akaaemleh 
messene Vertheilung von Helle und Dunkelheit zu Hilfe. Augen- 
fällig ist schon der oberflächlichen Betrachtung die durchweg 
herrschende Naturtreue; sieht man näher zu, so würdigt man vor 
Allem die erstaunliche Geschicklichkeit, womit einer so grossen 
Anzahl künstlerischer Elemente, die bald erhellt und bald ver- 
dunkelt durch ziehendes Gewölk in einem Aether von Licht, 
Schatten und farbigen Tönen schweben, Verbindung unter einander 
gegeben ist. In derselben heiteren Weise, in Welcher wir die 
Liebesgötter im Garten der Venus spielen sahen, schauen wir jetzt 
ihre Geschwister, die Engel, in der geweihten Region, aber reinere, 
höhere Freude belebt die Gestalten dieser Cherubim und Sera- 
phim. Unaussprechliche Unschuldwonne athmet die himmlische 
geflügelte Kinderwelt; spielend, singend, bewundemd und an- 
betend versinnlichen sie das reinste Entzücken, das die mensch- 
liche Brust zu fassen im Stande ist. So umschwärmt die liebliche  
Schaar, theils ins Licht vortretend, theils im Dämmer des Halb- 
lichts oder in tiefen Schattentönen versteckt, wie ein zwitschern- 
der Schwalbenzug die Erscheinung der Jungfrau. Ihr verklärtes 
Antlitz spiegelt schon das Licht des Paradieses wieder, zu dem 
sie ungeblendeten Auges empor-blicken kann, während sie einen 
Augenblick rastend die Wolkenstufen ersteigt, die sie hinangeleiten, 
und mit ausgebreiteten Armen, wie wenn sie Flügel fühlte, dem 
Himmel entgegenstrebt, aus dessen Goldmeer der Ewige auf- 
rauschend niederschaut. Auf diesen Kernpunkt der oberen Gruppe 
lenkt Tizian mit aller Kunst, deren er fähig ist, den Blick des 
Beschauers hin. Mächtig zieht das prachtvolle Roth und Blau, 
in das Maria gehüllt ist, und der zu einem cherubimgetragenen 
Dom gewölbte silbern schimmernde Hintergrund die Sinne an. 
Auf sie, die Heimgeholte, die sie selbst wie eine Mutter begrüssen, 
bezieht sich das eifrige Treiben der Engel, die ihr zu dienen, sie 
zu feiern, durch Musik und Gesang zu ergötzen geschäftig sind, 
während noch andere, das Nahen der Gebenedeiten in die Himmel 
zu künden, gleich ausklingendem Glockenton verschwimmen. Die 
Aehnlichkeit der Aetherregion mit einer wirklichen Wölbung wird 
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