Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480673
17,3 
TlZlAN 
UND AL FONSO 
ESTE. 
CAP. 
Venedig, 
Akademie. 
Eine augenfällige Eigenthümlichkeit der "Assunta" liegt in 
dem Nachdruck, Welcher den Figuren der Apostel im Vordergrunde 
gegeben ist; gleichwohl hat Tizian den Brennpunkt der Composition 
erfolgreich auf einen entfernteren-Theil im Gemälde zurückge- 
worfen. Man kann bei Photographien gewöhnlich die Bemerkung 
machen, dass nahe Gegenstände, und besonders solche, die sich 
in unmittelbarer Nähe der Camera befunden haben, eine gewisse 
Undeutlichkeit erhalten, Welche das Auge des Beschauers veran- 
lasst, sich zu dem darüber hinausliegenden Raume zu Wenden, 
wo es auf deutlicher ausgeprägten Gegenständen ruht. Tizian's 
künstlerisches Auge lehrte ihn, seinen Gegenstand zu behandeln 
wie die Photographie die Natur behandelt. Er machte seinen Vorder- 
grund breit und undeutlich; die Figuren desselben sind übernatür- 
lich gross, der Rasen hat eine verwischte Farbe mit wenigen 
Andeutungen von Grasformen, die Details verlieren sich in weite 
Schattenstreifen und geschickt berechnete allgemeine Tonmassen. 
Dagegen sind die Engelchöre mit den Wolken, auf denen 
die Jungfrau ruht, zwar zurückgerückt, allein die Theile weit 
mehr im Einzelnen sichtbar. Noch weiter entfernt und in ver- 
hältnissmässiger Undeutlichkeit schwebt der Ewige, umgeben von 
Seraphim über der Sceue. So oft Pater Germane den Meister 
während der Zeit besuchte, wo er mit dem Gemälde beschäftigt 
war, unterliess er nie, zu bemerken, dass die Apostel zu gross 
wären, worauf Tizian unveränderlich die Antwort gab, die Grösse 
dieser Figuren sei nothwendig für das zum Schmuck einer grossen 
imposanten Kirche bestimmte Gemäldefß Indem er aber diese 
Erklärung aussprach, war er sich des Unzureichenden derselben 
doch bewusst, denn er trug Sorge, die Einwendungen des Guar- 
dians durch geeignete Mittel in der Behandlung zu beherzigen. 
In der That ist an diesem bezaubernden Gemälde vielleicht das 
Merkwürdigste der Gegensatz zwischen der anscheinenden Ein- 
fachheit der Resultate und der Kunst, durch welche sie hervor- 
gebracht sind.  
Die Concentration des Brennpunktes ist durch eine Perspektive 
 
a3 Ridolfi 
212.
        

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