Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480647
DAS 
,NOLl 
ME-IANGERE 
175 
Hüft- 
Gewande 
fasst 
mit 
der 
Rechten 
die 
Falten 
seines 
blauen 
Mantels 
ZUSHJIIIIIIGII 
und 
hält 
der 
andern 
Hand 
die 
Gärtner- 
hacke. Seine Geberde streift ans Gekünstelte, aber die Gestalt ist 
edel und schön, das Fleisch bewundrungswürdig in zart mit Grau 
gebrochenen Silber-tönen modelliert. Die lockere Behandlung der 
Gliedmaassen und die vernachlässigte Zeichnung mag enttäuschen, 
aber seltene Schönheit liegt in den von Mitleid durchzitterten mild- 
regelmässigen Gesichtszügen. Er blickt nach der Büsserin nieder, 
die sich auf ihren Knieen zu ihm hingeschleppt zu haben scheint. 
Ihre ganze Haltung drückt Sehnsucht nach Erbarmen aus; weit 
vorgebeugt, die Lippen halb geöffnet schaut sie zum Erlöser empor, 
die rechte Hand hebt sieh, um ihn zu berühren, während die 
linke mit dem Salbengefäss auf dem Boden ruht. Man kann 
nicht ohne Rührung auf die geheimnissvolle Weihe dieses Vor- 
gangs blicken, den Tizian mit so liebender Sorgfalt und doch mit 
so meisterlieher Freiheit gemalt hat. Das Bild ist gleich einem 
Blatt aus seinem Tagebuehe, das uns erzählt, wie er sein Haus 
an den Lagunen verlassen und weit hinaus ins Land gewandert 
sei, um dort zur Abendzeit in der irischen wonnigen Landschaft 
zu weilen und den Zauber der Natur an einem ruhigen Ilerbst- 
tage einzusaugen. Wir haben hier die Verklärung jener reizvollen 
Seenerie, welche ihn in früheren Jahren anzog und damals zum 
Hintergründe seiner "irdischen und himmlischen Liebe " ward." 
Aber weder im „Noli-me-tangere" noch in den „ drei Altern" 
oder einer der kleineren Arbeiten aus jener Zeit haben wir ein 
Werk, dem 'l'izian die volle Energie, die er bcsass, zu Theil werden 
liess. Die grosse Schöpfung, in welcher alle seine Kräfte zu- 
sammenwirkend zur Geltung kamen, war die „Himmelfahrt der 
Jungfrau" für die Kirche der Frari, das mächtige Altarbild, das 
ihm den grossen Namen in der Heimath verschalfte. 
"S London, National-Galerie N0. 210, ILcinw. h. 3 F. (SV-z Z., br. 2 F. lUj-z Z._ 
war 1646 in der Sunlnllung hiuselli in Verona (s. Ridolü I. 255). Laut der Angabe 
W0rnum's im Katalog; der National-Galerie befhnd es sieh zdsdunn in der Sunnnluxxg 
Orleans, ging aus dieser in den Besitz des Mr. Chmnpernowxxu über und wurde beim 
Verkauf dieser Saunmlung [S20 durch Mr. Rogers erworben, der es 1855 der Naztionzzl- 
Galerie widmete. Gestochen ist es von N. Turdieu und von NVJEnsom. [Der Hügel 
mit den Hätusern liegt nicht lin ks, wie oben angegeben, sondern rechts im Bilde]
        

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