Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480471
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TIZIAN 
UND ALFONSO 
VON 
ESTE. 
CAY. 
Locken des Hauptes, in die Spitzen seines Schnurrbartes und den 
wohlgepfiegten kastanienbraunen Vollbart. Die breite Stirn, in 
deren Mitte das Haar schraubenförmig hineingekämmt ist, über- 
höht gewölbte Brauen, unter denen ein klar und oifen blickendes 
Auge hervorschaut, die kurze aber hübsch geschnittene Nase, die 
edle Haltung und geschmackvolle Kleidung geben ein anziehendes 
Ganze. Die Linke ruht mit ungekünstelter Geber-de auf dem Griff 
des Schwertes; die Rechte, zum Theil von Spitzen verdeckt, 
streichelt den seidenloclaigen Rücken eines Hundes. Ein dunkler 
goldbesetzter Rock, ein Rosenkranz um den Hals und eine grüne 
Schärpe auf der Brust mit der Inschrift "Ticiano" vervollständigen 
das von dunkel aschiarbenem Grunde abgehobene Bild. 
Trotz der Verputzungen und Uebermalungen, welche es im Laute 
der Zeit erfahren, ist es noch heute ein Zeugniss von Tizian's 
ausserordentlieher Geschicklichkeit und Kraft; selbst die gebrochen- 
sten Farbenstimrnungen haben eine Frische und Leuchtkraft be- 
wahrt, die nicht allein unübertrotien in ihrer Zeit dasteht, son- 
dern die überhaupt nur ein Tizian hervorzubringen im Stande 
War. Der Stil und die vollendete technische Behandlung des 
Porträts deuten darauf hin, dass man es der Periode zuschreiben 
darf, welche dem "Bacehanal" zu Madrid unmittelbar voranging, 
eine Wahrnehmung, welche auch das Alter, in dem der Dargestellte 
allem Anscheine nach steht, bestätigt. „Dreihundert Scudi", sagt 
Dolce, nwurden von Alfonso für dieses Kunstwerk gegeben, das 
Michel Angele i. J. 1529 höchlich bewunderte." Dieselbe Summe 
ist möglicherweise für das Bildniss der Herzogin gezahlt worden, 
über das nichts Näheres gesagt werden kann. Kurze Zeit später 
erhielt Tizian einen anderen Auftrag, indem er auf Einem Bilde 
Alfonso und Laura Dianti darstellen musste, welcher der Herzog 
nach Lucrezia's Tode (1519) seine Liebe erklärt hatte. 
Neben den Bildnissen entstanden für Alfonso noch eine Reihe 
von Gemälden religiösen und mythologischen Inhalts. Das der 
Zeit nach erste ist die „ Anbetung der Venus", welche einst das 
Studio des Herzogs schmückte und gegenwärtig im Museum zu 
L 
Dulcc, 
Dialogo S. 
Vasari 
XII. 
210
        

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