Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480461
k 
BILDNISSE 
LUE REZIA'S_ 
UND ALFOllSCVS." 
159 
- Ein anderer Einwand könnte aus dem liiangel jeder Nachricht 
darüber hergeleitet werden, dass Lucrezia Tizian zu einem Bildnisse 
gesessen. Dem gegenüber aber darf man nicht vergessen, welch' 
bösen Klang der Name Borgia nach Alexander's des VI. Tode in 
Italien bekam. Es war den Ferraresen geradezu darum zu thun, 
Lucrezia zu vergessen und über die Mittel, durch welche sie zu 
den Ansprüchen auf Modena und Reggio gelangt waren, Still- 
schweigen zu beobachten. Der Glanz, welcher die Gemahlin Al- 
fonso's von Este während ihres Lebens umgab, war seit ihrem 
Hinscheiden erfolgreich verdunkelt worden, und sowohl in der 
Geschichte wie in dramatischen und poetischen Legenden lebte 
sie nur als ein moralisches Ungeheuer fort. Indem man aber die 
Herzogin und ihre Familie dergestalt heruntersetzte, lag es sehr 
nahe, dass man auch die von ihr vorhandenen Bildnisse den Augen 
der Beschauer entzog, so dass, als dieselben endlich wieder ans 
Licht kamen, der Name der dargestellten Fürstin vergessen war. 
Es scheint uns dies die einzige Erklärung für den räthselhaften 
Umstand, dass Lucrezia's Bildniss verschwunden ist, während das 
ihres Gemahles erhalten blieb. Letzteres kam später nach Madrid 
und wir werden noch zu beobachten haben, in welcher Weise die 
Ueberfiihrung desselben nach Spanien mit den Beziehungen Tizian's 
zum ferrareser Hofe einerseits und zu Kaiser Karl dem V. andrer- 
seits zusammenhingf 
Nach diesem Bilde zu urtheilen, welches ihn in dem unge- 
fähren Alter von vierzig Jahren darstellt, war Alfonso ein heiss- 
blütiger Mann von leidenschaftlichem aber kräftigem Charakter. 
Nicht ein weisses Haar mischt_ sich in die kurzen schwarzen 
Madrid, 
Museum. 
diese Vermuthung, welche von A. Baschet und Feuillet de Conches herrührt, be- 
ruht nur auf dem Umstandc, dass in der Ecke des Bildes der weisse Adler, das 
Wappenthier der Este, angebracht ist. Ueber das angeblich Giorgionischc Bild 
vgl. der Verff. Gesch. der ital. Malerei, deutsche Ausgabe, Band VI.  Ein zweites 
angebliches Porträt Lucrezia's, ebenfalls in der Galerie zu Dresden (N0. 224), bc- 
findet sich auf einem Bilde, welches einen vornehmen Mann mit seinem Weibe und 
Kinde vor der Madonna knieend darstellt. Allein dasselbe ist nicht von Tizian, 
dem es zugetheilt wird, sondern von einem seiner Schüler, etwa Orazio oder Marco 
Vecelli. Es ist sicher nach dem Tode Alfonsds von Este gemalt. 
ü Madrid, Mnseo del Prado No. 452, Holz, h. 1,25, br. 0,99 M. Ueber eine 
Copic darnach s. später.
        

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