Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480298
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TIZIAN 
STAATSDIENST. 
Zutritt beim Hofe von Ferrara, wohin in früheren Tagen Bellini 
ausschliesslich eingeladen worden war. 
Ferrara und Mantua, die beiden an dem unteren Lauf des 
P0 gelegenen Fluss-Staaten, waren lange Zeit von getrennten 
Dynastien regiert worden, die unter der Obergewalt Venedigs an 
Kraft und Ansehn rasch emporwuchsen. Das völlig in die Macht- 
sphare der Republik gebannte Ferrara war durch die beharrliche 
Politik der venezianischen Signorie zahm gemacht, gedrückt und 
niedergehalten worden. Der natürliche Ehrgeiz eines Vasallen, 
sich der Abhängigkeit zu entziehen, hatte die Herzöge öfter in 
den Krieg getrieben; und ihre Beziehungen zu dem suzeranen 
Staate boten gar manchen Anlass, ihren Stolz zu reizen oder zu 
verletzen. Denn Venedig regierte ein ganzes Viertel von Ferrara 
durch seine eigenen Beamten;  es verbot die Bereitung und 
Gewinnung von Salz, obgleich Salz das Naturproduct des com- 
macchianischen Marschlandes war; und es monopolisierte die Schiff- 
fahrt auf dem adriatischen Meer und dem Po, obwohl Ferrara 
die Mündungen des Flusses beherrschte und natürlichen Zugang 
zu den Ufern des Meeres hatte. Gleichwohl blieben die Herzöge 
von Ferrara in strenger Unterwürtigkeit, so lange es Italien über- 
lassen war, seine eigenen Spähne ohne fremde Einmischung aus- 
zufechten, und trotz gelegentlicher Auflehnungen, welche sogar 
Landverlust nach sich zogen, gelangten sie mühelos in den Besitz 
grosser Reichthümer, die sie durch Prachtaufwand verwertheten. 
In keiner Geschichte italienischer Kultur dürfte die Würdigung 
der literarischen und künstlerischen Thatigkeit fehlen, welche die 
Regierungszeit Lionellds, Borso's und Ercole's von Este aus- 
zeichnete. Malernamen hohen Ranges reihen sich an die der ge- 
nannten Fürsten unzertrennlich an. Vittor Pisano, Piero della 
Francesca und Roger van der Weyden haben als hochangesehene 
Männer in Ferrara ihre Kunst geübt, Bono, Galasso, Cossa und 
Tura waren einheimische Meister, die einen aus paduanischei- 
Härte und dürerischer Kraft gemischten Stil populär machten. 
Am Ende aber theilte Ferrara, wiewohl es einen Hof besass und 
ndurch seine Fürsten"  wenigstens im Kleinen  „gross ge- 
worden  das Loos aller abhängigen Staaten. Der üppigen Lebens-
        

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