Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480154
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TIZIAN 
IM STAATSDIENST. 
Texte. Navagero, erst Poet, Redner und Literat, trat später in 
den diplomatischen Dienst seines Vaterlandes. Aber auch in der 
Zeit, die uns gegenwärtig beschäftigt, war er nicht ausschliesslich 
durch schriftstellerische Arbeiten in Anspruch genommen. Seinem 
Ehrgeize genügte es nicht, den Pindar, Cicero, Quintilian und 
Lucretius collationiert zu haben; er war es auch, der vor dem Dogen 
und Senat eine Rede zum Preise Catarina Cornaro's hielt und der 
nachmals (i. J. 1515) den Nekrolog auf Bartolommeo Dalviano 
Vortrag. Gegen Ende des Jahres 1512 oder Anfang 1513 war 
Bembo in Rom, Navagero in Venedig; der Erstere um die Gunst 
der Medici buhlend, der Andere auf Beförderung in der Heimath 
rechnend. Plötzlich starb Julius II. Das Oonclave trat im März 
zusammen und Bembo wurde nebst Sadolet zum Secretär des mit 
dem Namen Leo X. auf den päpstlichen Stuhl erhobenen Gic- 
vanni de' Medici ernanntfi Die Dinge, welche wenige Tage nach 
diesem Ereigniss sich zutrugen, beweisen genugsam, dass Bembo 
und Navagero sich wohl bewusst waren, zu welchen Erwartungen 
Tizian's Ruhm berechtigte. Sie lassen erkennen, dass, wie sehr 
auch die Humanisten oder Hellenisten im Allgemeinen sich über 
Künstlern erhaben fühlten, dennoch ein greifbarer Berührungspunkt 
der Interessen zwischen beiden bestand. Jedenfalls unterschätzten 
sie den Werth des Nimbus nicht, den ein Meister von hoher Be- 
gabung über intelligente Gönner oder den einsichtsvollen Staat 
auszugiessen vermochte. Sicher ist, dass Bembo dem Tizian vor- 
schlug, in Leo's X. Dienst zu treten, wie es andrerseits zweifellos 
ist, dass N avagero ihm von diesem Schritte abrieth." Ob Bembds 
Plan aus seinem eigenen Kopfe entsprang oder 0b er vom Papst 
dazu, angeregt worden sei, wird schwerlich festgestellt werden 
können. Giovanni de' Medici, wiewohl er dereinst im Exil in 
Venedig gelebt hatte, war doch zu lange in Rom, um Etwas von 
Vecelli zu wissenli Das hindert aber keineswegs seine Geneigtheit 
13 Pietro Bembo, Opera in 8". Basel 1556, lib. XU- S- 519- 
1 14 Vasari XIII. S. 27 und Dolce, Dialoge S. 67. 
15 In den Gesandtschaftsberichten des Paolo Capello von 1500 und 1510 wird 
Giovanni de' Medici als einflussreicher Cardinal in Run: erwähnt, s. Albcri, Rola- 
zioni (Iegli ambasc. Ycneti III. S. 5 und '23.
        

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