Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480120
E 
lN VENEDIG. 
DER H ELLENISMUS 
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gehalten. Aber er fand und studierte mehr als die Ueberreste 
des Alterthums: ihm traten auch die Leistungen Donatellds und 
Mantegnafs selber entgegen, er schöpfte wieder aus den Quellen, 
an denen die venezianische Malerei neues Leben gesehlürft hatte. 
Eins mochte er vor Allem "aus der Anschauung der Fresken in 
der Eremiten-Kapelle davongetragen haben. Wenn sein Markus 
in der Salute auch noch weit entfernt ist von der Anwendung 
desjenigen Verkürzungssystems, das Tizian nachmals bei den 
Deckengemälden in Santo Spirito befolgte, so offenbart er doch 
das Behagen an Problemen der Linienperspektive, die in dem 
Maasse kühner hervortreten, als die Gesammtbehandlung des Flei- 
sches Wie des Lieht- und Schattenspieles kühner ist. 
Sehr natürlich nun, dass mit dem Publikum, das ihn bewun- 
derte, auch sein Verlangen nach persönlichem Einilusse wuchs, 
umso mehr, da eben jetzt in Venedig auch die Empfänglichkeit 
für die feineren Güter derCultur, für Kunst und Literatur zunahm. 
Nur wer mit der Entwicklungsgeschichte der Druckkunst und 
der Presse im edlen Sinne vertraut ist, vermag die ausserordent- 
liche Thätigkeit zu ermessen, welche in dem Zeitraum vor und 
nach dem Kriege der Liga herrschte. Die Sicherheit der insularen 
Lage mach e Venedig zum geeigneten Mittelpunkt für die Wirk- 
samkeit der Bildungspioniere. Bereits früh im fünfzehnten Jahr- 
hundert hatte Johann von Speyer seine Pressen hier aufgestellt; 
dreissig Jahre später folgten Janson und Andrea von Asola nach, 
in dessen Geschäft Aldus Manutius als Theilhaber eintrat? Unter 
der thatkraftigen Leitung dieses kundigen Mannes gedieh in Vene- 
dig eine Bücherwelt, die zwar noch keine National-Literatur War 
 denn diese zu schaffen reicht ein halbes Jahrhundert nicht aus 
 aber classisch im engeren Sinne, insofern sie, ohne die Lei- 
stungen des einheimischen Geisteslebens zu verschmähen, vor 
Allem die römische und griechische Literatur zum Eigenthum der 
Zeitgenossen machte. Mit wahrhaft staunenswerther Schnelligkeit 
7 Ucbcr die Verhältnisse des Aldus Mgnutius und seiner Akademie vgl. Am- 
broise Firmin Didofs treffliohes Buch "Alde Manuce et l'Hel16nis1ne S: Vonice", 
Paris 1875, und ausserdezn Cicogna, Iscr. Von. VI. S. 173111
        

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