Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480116
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TIZIAN 
STAATSDIENSI; 
CAP, 
In der That liegt die Annahme nahe genug, dass er mit dem 
genialen florentinischen Coloristen, als dieser i. J. 1508 in Venedig 
verweilte, zusammengetroffen und seiner Unterweisung theilhaft 
gewesen ist. Gleichen Einfluss scheint die feine Beweglichkeit 
des Ausdruckes zu bekunden, welche das Heiligenpaar Rochus 
und Sebastian auszeichnet: dieser jugendlich und von fast frauen- 
hafter Schönheit, trotz aller seiner Wunden voll blühenden Lebens, 
Leib und Glieder ganz naturwahr; jener mit männlich-schönem 
Messiaskopfe, ein Bild adeliger Anmuth, verbunden mit dem melan- 
cholischen Reize der Demuth, die aus der Neigung des Hauptes 
und der auf die Pestbeule deutenden Hand spricht  in beiden 
Figuren ganz verschiedenes Lineament und doch vollkommener 
Zusammenklang. Fassen wir dies Alles ins Auge, vereint mit der 
volltönigen Farbenskala, die so weich wie durchgebildet und ab- 
geglättet ist, so haben wir ein Bild vor uns, das an Feinheit nur 
dem Baechanal in Ferrara naehsteht, noch erinnernd an die Reich- 
heit Gi0rgione's oder den weichen Schmelz Palma's, aber in seiner 
freien Meisterschaft jene grandiose Pracht schon ankündigend, ver- 
möge deren Tizian bald beide übertreffen sollteß 
Hatte Tizian, so lange er ausschliesslich in Venedig gelebt, 
nur vereinzelte Proben classischer Kunst zu Gesicht bekommen, 
so war ihm durch den Aufenthalt in Padua und den Besuch der 
Umgegend Gelegenheit genug geworden, sich in der Welt umzu- 
schauen, welche ehemals die Phantasie Mantegnzfs in ihrem Banne 
6 Venedig, S. Maria dclla Salate, Sakristei, h. 1,48, oben rund. Das Bild 
hat ohne Zweifel an seinem ehemaligen Standort in Sto. Spirito in Isola, wofür es 
gemalt war, besseres Lieht und überhaupt günstigeren Platz gehabt. Die Figuren 
sind nicht lebensgross, das Antlitz des Markus ist eine bei Tizian sehr häufig in 
geringen Abwandlungen vorkommende Physiognomie, welche u. a. im Wesentlichen 
Wiederkehrt auf dem Petrusbilde in Antwerpen oder dem Altarbilde des Pesaro in 
der Frarikirche. Cosmas, mit einem Gefass in der Hand, blickt zu Markus auf in 
einer Haltung, die ebenfalls an Fra Bartolommeo erinnert. Das ganze Bild gehört 
zu denjenigen, die Van Dyek's volle Bewunderung gehabt haben mögen; freier be- 
handelt als der Zinsgroschen, ist es doch gleichwohl fast ebenso sorgfältig durch- 
geführt und das Studium der Hände und Flisse tritt vortheilhaft hervor. Leider 
fehlt es nicht an einigen Nachbesserungen, so z. B. am Nacken des Cosmas, an den 
Zehen des rechten und der Hacke des linken Fusses des Sebastian; die violetten 
Strümpfe des Rochus sind sehwarzüeckig geworden. Das Bild ist von G. Wagner 
gestochen, V011 Naya in Venedig photographiert.
        

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