Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1480040
E 
l 
SCUOLA 
DEL 
SANTO. 
117 
durch einen formlosen Erdhügel getrennt, der eher dem Versatz- 
stück eines Schauspiels als dem Werke eines solchen Meisters 
gleicht. "i" 
Wenn Josua Reynolds von Tizian sagt, dass er Alles, was 
er berühre, sei es nun von Haus aus gering oder durch Gewohn- 
heit entadelt, mit einer Art Magie zur Würde und Bedeutung er- 
höbem, so unterschreiben wir zwar diese Bemerkung, allein wir 
verkennen nicht, dass der Fresken-Cyklus in der Scuola del Santo 
zu Padua von jener Zauberei am wenigsten bekommen hat. Sie 
erst geben das Recht zur Beantwortung der Frage, 0b es Tizian 
als Wandmaler wirklich mit Giorgione habe aufnehmen können, 
wie die Schmeichler behaupteten, nach deren Meinung er am Fon- 
daco den Sieg davongetragen hätte. Die Fresken in Padua sind 
Werke eines Meisters, und zwar eines gewiegten Coloristen, aber 
sicher ist nichtsdestoweniger, dass derselbe weit Bedeutenderes 
in der Staffeleitechnik leistete, und dafern wir nicht voraussetzen, 
dass sie all' ihren Reiz mit ihrer Ursprünglichkeit verloren haben, 
müssen wir eingestehen: Tizian hat hier entweder seinem Gehilfen 
zu viel überlassen oder er hatte überhaupt für das Fresko kein 
Herz. Dass er die Staifeleimalerei jeder anderen malerischen Aus- 
drucksform vorgezogen habe, dürfen wir von einem echten Jünger 
der venezianischen Schule unbedingt erwarten; dass er sie in 
Wahrheit vorzog, ist offenbar, und somit gelangen wir zu der für 
die vergleichende Geschichte italienischer Kunst geläufigen Schluss- 
folgerung, dass Venedig, wie sein grösster Künstler zeigt, keinen 
Freskomaler gleich Andrea del Sarto hervorzubringen vermochte, 
75 Auf sämmtlichen Bildern sind die Figuren-lebensgross. Die ganze Reihe 
wurde i. J. 1748 von einem paduanischen Künstler Namens Francesco Zanoni „auf- 
gebessert", welcher, ehe er ans Werk ging, die Erklärung abgab, die Fresken seien 
bereits einmal durch Uebermalung der Sprünge und Bruchstellen mit Oelfarbe her- 
gestellt worden. Er wurde angewiesen, den Schmutz und so viel als möglich von 
der Uebermalung zu entfernen. Seitdem ist nun infolge der Dachbeschädigungen 
das Wasser hinter etliche Bilder gedrungen, wodurch zwei derselben  die Heilung 
des Jünglings mit dein abgehackten Fusse und das Eifcrsuchtsbild  arg gelitten 
haben; letzteres ist derart ruiniert, dass man für seinen Bestand überhaupt fürchten 
muss. Vgl. Gonzati, Basilica di S. Antonio CXLIV. undSelvatico, Guida di Padova 
1869, S. 31. 
76 Reynolds Discourse XI.
        

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