Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479987
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CARMINE ZU 
PADUA. 
treibender Gewalt und zeigen das mit ühersprudelncler Fülle und 
Grösse gesättigte Leben in solchem Grade, dass sie den hohen 
Lobspruch eines eifrigen Katholiken wie Rio Wohl verdienen, der 
sie als Meisterwerke christlicher Schilderei bezeichnet. "l 
Tizian klagte einst einem Gesandten Alfonsds von Este, dass 
Ferrara kein Ort sei, den man im Interesse seiner Kunst besuchen 
könne, weil man bei der Abgelegenheit der Stadt Mangel an 
Modellen und künstlerischen Hilfsmitteln empfändefs In der That 
hielt sich Tizian mit Hartnäckigkeit an bestimmte Formen, nament- 
lich der weiblichen Schönheit, die er mit wenig Abwandlungen 
vielfach wiederholte, und er entbehrte ein Stück von sich selbst, 
wenn er dieses Studienmaterial nicht um sich hatte, Aehnliches 
Missbehagen mochte es ihm verursachen, wenn er von Venedig 
wegging und seine Schüler daheim liess. Als er berühmt wurde 
und man ihn suchte, scheute er sich. nicht, mit drei oder vier 
Gehilfen auf die Reise zu gehen; in früheren Jahren jedoch schrak 
er vermuthlich um der Kosten willen davor zurück. Es war ge- 
wöhnlicher Brauch der Meister jener Zeit, an dem Orte ihres zeit- 
weiligen Aufenthaltes Gehilfen in Tagedienst zu dingen, und auf 
diese Weise vermögen wir uns die Mitarbeiterschaft Campagnola's 
in Padua zu erklären. Dieser Brauch hatte jedoch bedenkliche 
Schattenseiten, wofern der Meister sich nicht entschloss, die 
Schwäche seines Arbeitsgenossen durch vermehrte Sorgfalt seiner- 
seits aufzuwiegen. Mancher Künstler aber ist der Gefahr erlegen, 
angesichts der Zumuthung, etwa in einer entlegenen Provinzial- 
stadt zu malen, es sich leicht zu machen, oder aber bei geringer 
Bezahlung auch eine geringe Arbeit zu liefern. Wie Tizian sich 
derartigen Zweifeln gegenüber grundsätzlich verhalten hat, Wissen 
wir nicht, gewiss ist aber, dass, als er am Carmine arbeitete, er 
fast Alles dem Campagnola überliess und dass er auch bei den 
Malereien am Santo diesem ein Vertrauen schenkte, was ihm ge- 
stattete, „dem Metalle die Legierung beizufügen"  vielleicht in 
97 Rio, de Part chrätien, n0uvel1e.ed. Paris 1867, IV. S. 183. 
69 Gina. Campori, Tiziano e gli Estensi, Sonderabdruck aus der Nuova Anto- 
logia, Florenz, November 1874. S. 16.
        

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