Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479908
CAP. 
E5 
ZINSGROSCHEN". 
1_0ä 
war die Gestalt des Erlösers bei den Venezianern noch niemals 
abgeklärt worden; Tizian selber hat sie nie überboten. Denn 
hier ist Göttlichkeit und menschliches Wesen in organischer Ein- 
heit und mit der vollkommensten Abrundung und Zartheit ver- 
einigt, die überhaupt den Künstlern Norditaliens bei der Bildung 
der menschlichen Gestalt erreichbar war. Auch an Durchbildung 
ist es vielleicht das vollendetste Bild seiner Art. Unter der Fülle 
des auf Christi Schultern niederwallenden Haares gewahren wir 
Ringellöckchen, an denen sich die einzelnen Haare zahlen lassen, 
einige so leicht und schwebend, dass man glauben möchte, sie 
bewegten sich vom Odem des Beschauers. Untibertreülich ist 
der Glanz und die Leuchtkraft wie durchsichtige Zartheit der 
Farbe, die Gewandung im Schattenfall und Faltenanordnung be- 
wundrungswürdig. Wir unterscheiden mühelos das lockere Ge- 
webe der glänzenden rothen Tunica und das feine Tuch des blauen 
Mantels. Wie dieses Bild das schönste Statfeleiwerk ist, welches 
Venedig bisher entstehen gesehen, so ist es auch das reifste, ab- 
geglättetste Gemälde Tizian's. Er zeigt sich hier allerdings als 
Schüler Palma's, als ebenbürtigen Genossen Gi0rgione's und als 
eitrigen Nebenbuhler Dürerls, aber ohne einen dieser Meister 
nachzuahmen, sondern als Träger eines schöpferischen Talentes, 
das an ursprünglicher Kraft und technischer Begabung nicht seines 
Gleichen hatte. 
Von der Staffelei hinweg, auf welcher das Wunderwerk seines 
Jugendstiles entstand, sehweiften Tizian's Gedanken in die Ferne, 
wo Staatskunst und Waffenglüek Venedigs mit dem Schicksal 
Wetteten; denn von ihren Erfolgen hing das Geschick seines Hei- 
mathhauses in Cadore unmittelbar ab. 
Er hatte nicht die abgestumpften Nerven eines Ferramola, 
von dem erzählt wird, dass er bei dem Sturme auf Breseia ruhig 
und in der Sammlung der Accademia di S. Luoa in Rom. Das Bild ist gestochen 
von Domenico Picehinuti, M. Steinla, Fr. Knolle, J. Scherz, W. Witthöft uhd 
Eilers, von F. Hanfstängel sehr gut lithographiert, photographiert von der photo- 
graphischen Gesellschaft in Berlin.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.