Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479875
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JUGENDWERKE IN VENEDIG 
PADUA. 
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Besuch vornehmer deutscher Reisender, denen er den Eintritt in 
sein Studio gestattete. Nach dem Besuche merkte man jedoch 
den Fremden_an, dass sie von den empfangenen Eindrücken nur 
massig erbaut seien. Männer aus dem Anhange Tizian's erkun- 
digen sich darauf hin über ihre Meinung und erhalten zur Ant- 
wort: sie wüssten nur einen einzigen Meister, welcher seinen Maler- 
werken die ganze Vollendung angedeihen liesse, welche diese 
erforderten, und das sei ihr Landsmann Dürer; alle Künstler 
Italiens, so gross sie auch sonst sein möchten, Tizian und Ge- 
nossen voran, seien dieser höchsten Gewissenhaftigkeit unfähig." 
Als diese Bemerkungen ihm hinterbracht wurden, habe Tizian 
lächelnd erwiedert: wenn er die vollendete Durchführung als 
Zweck und Ziel seiner Kunst erkannt hätte, so würde auch er in 
die Uebertreibungen Dur-er's verfallen sein, aber er sei nach lan- 
gem Studium und reicher Erfahrung zu der Ueberzeugung gelangt, 
dass das Wesen der schönen Natur und das Beispiel hoher Meister 
seine Auffassung als die der Wahrheit entsprechendem rechtfertig- 
ten; obgleich er sonach keinen Grund sähe, von dem breiten und 
sichern Wege hinweg auf einen engen und gefährlichen Pfadaab- 
zuweichen, wolle er doch bei nächster Gelegenheit, wo er sich 
ganz in seinem Geschmack geben dürfe, beweisen, wie man die 
höchste Genauigkeit und den äussersten Fleiss anwenden könne 
ohne ins Uebermaass zu verfallen. S0 sei denn der Zinsgroschen 
entstandenfm  Der obigen Erzählung gegenüber erscheint es 
befremdlich, wenn Ridolfi berichtet, ein Gesandter Karl's V. in 
Ferrara habe sein Erstaunen geäussert, dass es einen Maler gäbe, 
51 Scannclli, I1 Microcosmo della pittura, Cesena 1657. S. 231-234. Tizian's 
dort angeführte Aeusserung lautet: ,.Quando hauesse stimato Testremo del compi- 
mento il vero et ultimo termine della perfettione, havria. ancof esso seguito colla 
loro opinione gli eccessi del Durero, m51 perchä il giudicio assni conürmato dal 
lungo studio e continuata osperienza dell' operare gli duva a conoscere, come Pope- 
ratione di bella natura e migliori artiüciati, che dovesse. seguire con uu tal modo 
di diPingere assai piü a1 vero confacevole; perö non stimava conveniente il levarsi 
dalla strada piü larga. e sicura per seguire Pincerta e disastrosa, contuttqcib per 
1a prima oecasione, che veniva a rappresentarsi di suo gusto, volea poi anco dar' a 
vedere, come sapeva formarc e fornire con 1a piena diligenza de1l' arte ed assot- 
tigliare anco talvolta senza romperc coll" estremo." 
        

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