Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479857
7JUGENDWERKE 
IN VENEDIG 
UND 
PADUA. 
CAP. 
Nase, schwülstige Lippen und offenes Augef" Die Züge dieser 
häufig auf Medaillen vorkommenden und überdies auch auf einem 
Leinwandbild im Dogenpalaste wiederkehrenden Physiognomie 
sind nicht zu verkennen. Die monotonen Lichtpartien des Flei- 
sches, von warmem gelbbraunen Hauch, sind mit Lack und rother 
Erde in die Halbtöne übergeleitet und hier und da durch Gegen- 
wirkung von Umbra oder Terra verde gehoben, die Farben, dünn 
und ohne alle Anwendung von Uebermalungen oder Lasureu auf- 
getragen, verrathen ein Verfahren, das bei Tizian sonst nicht 
üblich ist, der in der Regel mit sattem Pinsel aufträgt und die 
Schichten so lange durcharbeitet, abtönt und vertreibt, dass sie 
nur noch Lasuren und Modulationen letzter Hand bedurften. In- 
dess mag der Meister, vielleicht um ein Musterstück zum Gebrauch 
in seinem Atelier herzustellen, recht wohl einmal seine Praxis 
der Gelegenheit angepasst und den leichten einfachen Vortrag, wie 
er sich hier findet, anstatt der Manier seiner vollkommen durch- 
geführten Werke in Anwendung gebracht haben. Gab er dabei 
den Hauptreiz seiner für die öffentliche Wirkung bestimmten Ge- 
mälde, die Reichheit und Schönheit des Tones Preis, so trat an 
Stelle dessen die besonnene Klarheit und Genauigkeit der Form- 
bildung und des Umrisses, und so betrachtet gebührt dem in 
Rede stehenden Bilde das Zeugniss der Meisterschaft, wenn auch 
bei so dünner Farbenhaut Saft und Frische stark gelitten haben. 
Es ist eine kunstreiche Studie, theilweis  z. B. die Hand  
vollkommen tizianesk, fest und bestimmt behandelt, und trotz 
des mangelnden Reizesallem überlegen, was Schüler oder Nach- 
ahmer in dieser Weise leisten konnten. Behält man im Gedächt- 
niss, dass Tizian, wie wir sahen, nicht nach dem Leben, sondern 
nach unbeseelter Vorlage arbeiten musste, so ist kein Grund, an 
seiner Urheberschaft zu zweifeln, wenn dieses Dogenportrat seinen 
technischen Eigenschaften nach auch vereinzelt dasteht. 
50 Das Bild ist rentoiliert und dabei sind zwei neue Leinwandstreifeu an 
beiden Seiten angesetzt. Des Dogen rothe Kappe trägt den herkömmlichen Perl- 
besatz, der Lappen, welcher das Ohr bedeckt, ist weiss, ebenso der Kragen. Das 
gegenwärtige Maass des Bildes ist 0,97 Höhe zu 1,38 Breite.
        

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