Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479782
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BEIDEÄ 
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KIN DEliltll 
IN WIEN. 
Trotz, feinere Vollendung, zartere Modellierung, grössere Reinheit 
klargemisehtei- Färbung und blendendere Liehtfülle kaum zu den- 
ken. Als Malerleistung betrachtet verräth das Werk den tüchtigen 
Techniker, die Auffassung das hingebendste jugendliche Gemüth. 
Unbeschreiblich liebreizend ist die Haltung. des heiligen Kindes, 
wie es mit breitem Schritt auf die Mutter zusehreitet und ihr in 
echt 
kindlicher Weise 
mit 
beiden 
Händen 
das Bündel Kirschen 
darhält, während Johannes mit anmuthiger Begehrliehkeit zuschaut; 
bezaubernd die Würde und Anmuth im Ausdruck Marias, meister- 
lich die Ruhe Joseph's und der gedankenvolle Ernst des Zacharias 
wiedergegeben. Der vollendeten Gesammtdurchführung entspricht 
auch der Schimmer der lasierten blauen und rothen Töne an 
Tunika und Mantel Maria's, das um die Hüfte des Knaben ge- 
schlungene zarte Linnengewebe, der Seidenflor des Schleier-s, der 
von den Schultern der Jungfrau zu seinen Füssen niederfiiesst. 
Die Behandlungsweise zeigt, dass auch damals Palma Vecchids 
Einfluss noch andauerte. _ 1 
 Grössere und figurenreiehere Bilder mag Tizian um dieselbe 
Zeit, auch mit Zuziehung von Gehilfen, geliefert haben, keins aber, 
was diesem an Zauber der Vollendung gleichkäme. Hier nehmen Wien, 
wir weder die Anbetung Marias und des Kindes durch Stephan, Bewahre" 
Hieronymus und Georg in Wien, noch die in der Anordnung ver- 
wandte Composition in Paris aus (Maria mit dem Kinde, Stephan, 
abhebend. Joseph's Kopf ist sehr beschädigt, er hat weitgehende Uebermalung cr- 
fahren, die Hand ist sogar ganz neu; ebenso sind Bart und andere Theile des 
Zacharias übermalt, wie auch die Brüstung. Infolge der Schäden, welche das Bild 
gelitten hatte, wurde es auf Leinwand übertragen, und damals konnte die Rück- 
seite geprüft werden, wie es auch gleichzeitig photographiert worden ist (Verlag 
von Miethke und Wawra in Wien). Es stammt aus der Sammlung des Erzherzogs 
Leopold Wilhelm (Mitte des siebzehnten Jahrhunderts), die von Lefebre gestochene 
Oopie befand sich im Privatbesitz in Venedig (vgl. dessen Sammlung von Bildern 
Tizian's und Pordenonds, ausgeführt für Ludwig XIV. i. J. 1682). Eine alte 
Oopie auf Leinwand, nicht ganz vollendet, besass vor einigen Jahren ein Signor 
Cadorin in Venedig, eine zweite, geringer an Maassstab und IKunstwei-th, sahen 
die Verf. lvor kurzem noch unter einem Portikus in der Nähe des Hauses N0. 4164A 
in der Via del Bnsanello in Padua, noch zwei andere gibt es im kaiserlichen Schloss 
auf dem Hradschin in Prag und in der Sammlung Marlborough in Blenheim, letztere 
von Teniers.
        

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