Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Tizian
Person:
Crowe, Joseph Archer Cavalcaselle, Giovanni Battista Jordan, Max
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1478376
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1479758
JUGENDWERKE 
IN VENEDIG 
P21 
PADUA. 
Entschluss des Bruders, obgleich er ihn nicht theilte, entgegen- 
zutreten, sich mit allem Eifer der Lieblingsbeschäftigung seines 
Lebens hingab. Die Verluste an Geld, Menschen und Gütern 
aber, in welche die Venezianer bald nachher geriethen, machten 
sich unzweifelhaft auch auf dem Kunstmarkt empfindlich fühlbar, 
und aus der Zeit zwischen der Unterzeichnung des Vertrags von 
Cambray im December 1508 und dem Waifenstillstand mit Maxi- 
milian im April 1512 vermögen wir keinen Auftrag ausfindig zu 
machen, der dem Talente und dem Ruhm Tizian's entsprochen 
hätte. Jedoch die durch den Krieg verursachte Stockung  wie; 
wohl sie Quantität und Verkauf beeinträchtigte  konnte doch 
die Qualität der Werke, die Tizian schuf, nicht verringern. Da- 
von zeugt die Thatsache, dass er eben in dieser Periode nicht 
nur Madonnenbilder vonhöchster Vollendung, sondern auch das 
herrliche Dogenporträt im Vatikanischen Museum und das Kleinod 
feinsten Stil-Adels, "den Christus mit dem Zinsgroschen" voll- 
endete. 1 
In den ersten Jahren" des neuen Jahrhunderts hatte sich in 
der venezianischen Malerei ein bemerkbarer Umschwung vollzogen. 
Das Studium des Classischen im Sinne Mantegnafs war fast ganz 
überwunden, wenn auch noch eine Anzahl Künstler thatig waren, 
die an einem strengeren Stil als dem der Coloristen testhielten. 
Die grosse Mehrheit der Maler hatte sich allmälig der Antike 
entfremdet; ihren idealen Anforderungen ausweichend beschränkte 
man sich auf gewandten Vortrag, Pinselkunststückchen und har- 
monische Farbengebung. Es wäre zwar Unrecht, zu behaupten, 
die hohen Vorzüge antiker Kunst seien überhaupt nicht mehr ge- 
würdigt worden, allein man gewinnt zunehmend den Eindruck, 
als hätten sich die Venezianer fast der Hoifnung entsehlagen, ihrer- 
seits die vollkommene Reinheit der Form und der Linienschön- 
heit zu erreichen und deshalb ihr Dichten und Denken auf Vorbil- 
der von geringerer Erhabenheit eingeschränkt, mit dem Wunsche, 
mehr durch Wiedergabe der sinnlichen Substanz als der Form- 
bildung des Körpers und mehr durch Nachahmung der Stoffe und 
des Farbenspieles als der organischen Struktur des Gewandes 
Zll gefallen- An Gicrgionds Fondaco-Fresken wirkte das Gefühl
        

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