Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Daniel Chodowiecki's sämmtliche Kupferstiche
Person:
Engelmann, Wilhelm
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1471950
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1472652
A. Weise. 
V0 I1 
geschildert 
XLIX 
und verfehlte Sonntags nie, den Gottesdienst zu besuchen. Der französischen 
Kirche diente er als Ancien Diacre und als Cassier de la Boulangerie als 
Receveur, und versah gern diese zeitraubenden Geschäfte. Als seine älteste 
Tochter in ihrem sechszehnten Jahre krank wurde, las er ihr selbst Erbauungs- 
schriften vor und bereitete sie so zu ihrem Ende?) Nicht aber bloss für seine 
Familie sorgte er liebevoll, sondern er war auch nicht minder empfänglich für 
die Freundschaft. An Zingg und Graif hing er mit treuer Liebe, und Schellen- 
berg sagt von ihm: "Sein Herz ist viel schöner als seine treffliehen Arbeiten." 
Dieses beurkundete er auch an seinen ärmeren Verwandten. 
Einem Manne , der so gesucht war wie er, der sich in Deutschland einen 
so ausgebreiteten Ruf erworben hatte , konnte es natürlich nicht an Bekannt- 
schaften fehlen. Diese aber legten ihm eine Menge Verbindlichkeiten auf , wo- 
bei es nicht an Aufträgen fehlte, die er besorgen sollte. Er beantwortete nicht 
nur die vielen an ihn gerichteten Briefe, sondern befriedigte auch auf das 
Gewissenhafteste das Anliegen eines Jeden. Seine Dienstfertigkeit wurde da- 
her oft in Anspruch genommen. Einst schrieb ihm ein armer Reetor,""') dass 
er Chodowieckfs Werke ausserordentlich liebe , aber bei seinem geringen Ge- 
halte nicht in der Lage sey, sich dieselben anschaffen zu können. Was hier 
viele Andere gethan haben würden, nämlich den Brief unbeantwortet liegen 
lassen, strebte gegen Chodowieckfs edlere Gesinnung, und so antwortete er 
nicht nur dem armen Kunstfreunde, sondern schickte ihm auch dabei Zeich- 
nungen und Kupferstiehe. "Wie sehr er im Rufe der Mildthätigkeit stand , bei 
weiset auch der Umstand, dass ein armer Student ihn um eine Vignette bat, 
weil er hotle, durch den Verkauf der Abdrücke so viel zu gewinnen, dass er 
seinen Aufenthalt auf der Universität leichter werde bestreiten können; so 
wurde er durch Chodowieckfs Güte in den Stand gesezt, sich brauchbarer für 
den Staat auszubilden. 
Verunglückte gemeinnütziger Institute fanden fortwährend an ihm einen 
Wohlthäter. Bei Gelegenheit der grossen WVasserHuth zu Frankfurt an der 
Oder, 1785, wo Prinz Leopold von Braunschweig durch seine Menschenliebe 
in den Fluthen sein Leben verlor, verfertigte er zur Unterstützung der Un- 
glücklichen eine Platte f") die er selbst abdrucken und verkaufen liess, und 
der Ertrag des gelösten Geldes betrug, nach den noch vorhandenen Listen, 
1795 'l'haler 22 Groschen, welche Summe er, ohne sich einen Abzug für Un- 
kosten zu erlauben, an die Behörde zur Vertheilung überschickte. Auch bei 
dem grossen Brande von Ruppin suchte er durch eine zweite Platte der N oth 
der Unglüeklichen von seiner Seite mit abzuhelfen. Aber auch die Armen in 
seiner Nahe unterstützte er reichlich, und theiltc jährlich an 300 Tlxaler an die- 
selben aus; ja ein kleines elternloses Mädchen nahm er sogar zu sich in das 
Haus und vertrat Vaterstelle bei demselben. Entstand in der Nähe eine Feuers- 
brunst, so war er immer einer der Ersten an dem Orte , um thätig zu helfen. 
Sein Aeusseres war, im Gegensatz zu seiner innern Vortrefflichkeit, weniger 
einnehmend und erschien kalt, bis man ihn näher kennen lernte. 
 Als sie später wieder genas und sich verheirathete, schrieb er den 24 May1783 an Graii": 
 "Ich habe vorige Woche meine Alteste Tochter (Jeaunette) mit einem fanzösischen Prediger in Bourg 
"Herrn Papin verheyrathet. Die Trauung ist in unserm kleinen Gärtchen (in der Behrenstrasse) 
"unter freyem Himmel und dem Schatten zwey schöner Biru Bäume die noch in der Bliithe standen 
"vorgenommen worden, einige orthodoxen walten das nicht so ganz gut heissen aber es sah doch 
"sehr mahlerisch schön aus. wären Sie doch hier gewesen ! " 
H) Den 23 August 1787, und 27 Febr. IHR. M. Gessner, Rector der lateinischen Schule zu Bahsheim. 
 s. die Note zu N0. 540. 
        

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